Sick and tired

“Krank und müde” hätte ich auch als Titel nehmen können. Oder was mir auch durch den Kopf ging “Müde bin ich, geh’ zur Ruh” – das letztere ist jedoch der Anfang eines Gedichtes, das ich als zu religiös erachte. Also schoss mir das Lied von Anastacia durch den Kopf. “Sick and tired”, besonders zwei Zeilen sind dann auch noch ausschlaggebend, dass ich mich für diesen Titel entschied “You live in a world where you didn’t listen and you didn’t care” – also “Du lebst in einer Welt in der Du nicht zuhörst und Du Dich nicht darum kümmerst”.

Was das alles mit dem 1. FC Kaiserslautern e.V. zu tun hat? Nun, eine ganze Menge. Dieser Blogeintrag wird ein Rückblick auf diese verkorkste Saison 2016/2017. Auf eine Saison der Desillusion. Auf ein Jahr voller Hoffnung und der Enttäuschung, weil “man” nicht zuhört. Auf ein Jahr in dem sich kein Geier darum kümmert, was die Menschen im Verein bewegt, was sie antreibt, was sie aber auch resignieren lässt. Ein Jahr voller Arbeit und Gespräche in dem Bemühen, Dinge zu verändern, Dinge zu verbessern, Dinge endlich anzugehen, die in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt wurden.

Alles, um am Ende des Jahres, am Ende der Saison festzustellen, dass wieder keiner zuhörte, sich wieder keiner kümmerte, sich wieder nichts änderte. Im Gegenteil, es musste bis zum letzten Spieltag gezittert werden, um nicht in die Relegation zu rutschen. Wo das geendet hätte konnte man gestern Abend beim Spiel der Freunde von 1860 München erleben. Wut, Enttäuschung, Hass, Zorn auf alles was diesen Verein oder sollte ich sagen, diese Kapitalgesellschaft, gegen die Mauer gefahren hat.

Welcher Traditionsverein ist der Nächste der implodiert? Was werden die Herren Innen- und Justizminister sich aus ihren feuchten Träumen für neue Ideen ausdenken, nachdem gestern in München randaliert wurde, nachdem zuvor schon am Montag in Braunschweig das Kriegsrecht ausgerufen werden musste? Welche Forderungen werden im Rahmen der DFL/DFB AG Fankulturen Ende August von den Vertretern der DFL und des DFB auf den Tisch gelegt werden, nur um die Frage zu formulieren “Wie kann man verhindern, dass so etwas wieder passiert?”. Nun es wäre ganz einfach – Relegation abschaffen. Aber OK, das würde ja dieses Spektakulum der aufeinander prallenden Emotionen verhindern.

Ja, dieser Blogeintrag dürfte etwas länger werden. Wer nicht so viel lesen mag, hier die Kurzfassung:

Alles Scheiße, Deine Elli

Für alle die etwas mehr wissen wollen und denen etwas längere Texte keine Angst bereiten, hier die etwas ausführlichere Version.

Gut, wo fängt man da denn am Besten an?

Ausgliederung

In erster Linie geht es hier ja um den 1. FC Kaiserslautern e.V.. Jenen Traditionsverein der durchaus schon bessere Tage gesehen hat. Wenn man sich derzeit so umhört, in den Foren, auf Facebook, in anderen Gesprächen, im Block oder auch auf Auswärtsfahrten, dann ist es jetzt ja nur noch eine Frage der Zeit, bis es wieder aufwärts geht. So in die erste Liga. Den Bayern die Lederhosen ausziehen. Und endlich Revanche für 1991 an Barcelona nehmen. Jetzt, wo endlich ein Vorstand die Ausgliederung angeht. Die Investoren “strategischen Partner” stehen schon Schlange und warten nur darauf, dass “wir” endlich diesen Schritt vollziehen der die Glückseligkeit bringt, die Ausgliederung.

Hach ja, wenn man endlich diese professionellen Strukturen hat, dann klappt das wieder mit dem Aufstieg. Denn dann sind ja Profis am Werk und nicht … – ups – ja, wer ist denn dann am Werk? Ach egal, es kann nur besser werden! Sieht man doch bei den Vereinen in der ersten Liga. Bayern, Dortmund, Leipzig, Hoffenheim. Alles Vereine die ausgegliedert haben. Deshalb spielen die auch um die Champignons, also die Pilze, will sagen die Kohle, also das dicke, fette Geld. Loser-Vereine wie Freiburg, Mainz, Schalke dahingegen steigen ja eh gleich wieder ab.

Wenn wir nicht aufpassen, werden wir noch vom Waldhof überholt. Die haben schließlich letztes Jahr ausgegliedert. Und bei Stuttgart sieht man ja, dass es nur mit der Ausgliederung wieder in die erste Liga geht. Wie, die wollen erst ausgliedern? Ach so, na ja, aber immerhin noch diese Saison, also übermorgen. Dann fliesst das Geld endlich, was für den Aufstieg gebraucht wird – äh … wurde.

Ja, auch der VfL Bochum will ausgliedern. OK, wird dann etwas kuschelig da oben in der ersten Liga, denn da wollen ja alle die ausgliedern hin. Und Preussen Münster – ja, die wollen oder sollen auch ausgliedern. Der Herr Seinsch versucht da das zweite Augsburg zu realisieren. Neues Stadion, Ausgliederung und ab geht’s nach oben. OK, Rot-Weiß Essen will auch ausgliedern. Gut, halt noch ein Kandidat für die erste Liga. Was mit Mainz ist steht noch nicht fest. Eigentlich wollten sie nicht. Aber jetzt, so knapp an der Relegation vorbeigeschrammt. Dann wird es aber Zeit, sonst stürzen sie noch ab.

Also wenn ich noch einmal geboren werde, müsste ich Anwalt für Ausgliederungen werden. Ein lukratives Geschäft. Man kopiert ein, zwei Dokumente – “ist ja alles von der Stange”, “das Rad muss ja nicht neu erfunden werden”. Setzt sich immer wieder für einen guten Stundenlohn – oder schon Tagessatz – in ein paar Meetings. Hört den Menschen die da ihre Meinung kundtun betroffen zu und am Ende machen wir es dann doch so, wie es irgendeine mächtige Person will. Getreu dem Motto “wir machen das mit den Fähnchen”.

Wenn das vollbracht ist, braucht man ein, zwei Mitgliederversammlungen. Redekonserven à la “Entweder Regionalliga oder Bundesliga”, “die Ausgliederung ist alternativlos”, “wir gefährden die Gemeinnützigkeit als Unternehmen mit X-Millionen Euro Umsatz”, “wir wollen, dass unsere Kinder endlich wieder das Gefühl haben gegen die Bayern zu gewinnen” liegen eh in der Schublade. Manchmal helfen noch kleine Gimmicks wie kostenlos neue Trikots, Fähnchen (da war es doch) oder andere nette “Giveaways”. Ist ja nur ein Bruchteil der Investorensumme die da zum Fenster rausgeblasen wird als Marketingmaßnahme. Die Mitgliedschaft lauscht den Worten von Experten. Diese sprechen von “Turnaround”, “ROI” oder anderem Unrat. Buzzword an Buzzword wird da in die Halle, das Zelt oder was auch immer der jeweilige Veranstaltungsort ist, gereiht. Nach mehr als vier Stunden Geblubber kommt dann der entscheidende Moment – die Abstimmung! Natürlich elektronisch, manipulationssicher, nicht nachvollziehbar aber sicher. Das zumindest sagt der Abstimmungsleiter. Meist ein Experte auf diesem Gebiet. Hatten wir ja auch schon mal.

Nun das Ergebnis: “Mit 96,5 Prozent Mehrheit stimmt die Mitgliederversammlung der Ausgliederung in die XYZ Spielbetriebs – wasauchimmer GmbH/AG/GmbH&Co.KGaA zu.”. Tosender Applaus. Standig Ovations. Yeeha. Die Anwälte klappen die Köfferchen zu. Die Rechnung folgt am nächsten Tag. Jedes Mitglied geht mit seinem “Gimmick” nach Hause und freut sich – endlich wieder Champignons – “morgen ziehen wir den Bayern die Lederhosen aus” – “endlich Revanche für 1991”.

Leider ist es so, wie meist nach einer aufregenden Nacht mit einer “aufgehübschten Dame”. The day after … “Der Morgen danach”. Das Aufwachen, der Kater.

Aber egal, jetzt geht’s los, jetzt geht’s loooos.

Die Saison ist vorbei. Die Bayern spielen noch nicht in der zweiten Liga. Die Millionen des Investors strategischen Partners sind weg. Huch. Was jetzt. Jetzt wird mal der Aufstand geprobt. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung wird einberufen. Wie? Was? Nicht zuständig? Ähm? Ups? Na dann. Danke für das Trikot, das Fähnchen, das “Giveaway”. Ach ja, nächste Saison greifen wir aber an, oder?

Wer auch immer denkt, dass eine Ausgliederung der Weisheit letzter Schluss ist, dem ist nicht zu helfen. Der möge sein Trikot, sein Fähnchen, sein “Giveaway” nehmen, sich in das leere Stadion setzen und dem blutleeren Gekicke auf dem Rasen zuschauen. Natürlich ist sein Platz im Stadion etwas teurer geworden. Klar, von irgendwas muss die GmbH/AG/GmbH&Co.KGaA ja schließlich die Gehälter der Geschäftsführer, der Beiräte und der vielen Berater bezahlen nachdem das Geld des Investors strategischen Partners im Kader der letzten Saison verbrannt wurde. Ja nee, noch einmal 10, 20, 40 oder 50 Mio Euro in diese Loser-Struktur? Och nö, da spiele ich lieber Investor strategischer Partner bei einem anderen Laden. Die müssen gerade ausgliedern weil sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Ja, den Rechtsanwalt der das begleitet kenn ich. Ja, nö. Mit Widerstand muss nicht wirklich gerechnet werden. Die spielen jetzt seit fünf Jahren in der zweiten Liga und sind knapp an der Relegation vorbeigeschrappt. Ach was, mit den Konserven von “Regionalliga oder Bundesliga”, “Rache an den Bayern”, “Revanche für 1991” kriegen wir die nötige Mehrheit schnell zusammen.

Nein, die Insolvenz ist jetzt für uns nicht wirklich schlimm. Der e.V. lebt ja weiter. Mit was? Keine Ahnung, haben die denn nicht aufgepasst was die ausgliedern? Ja, dann. ein Fußballclub ohne Fußballabteilung macht sich nicht so hübsch, ist aber nicht unser Problem. Wir hatten ja nur investiert eine strategische Partnerschaft.

 

Aufsicht

Aufsicht ist in Aufsichtsrat enthalten. Auch da gab und gibt es ja einiges, was in den letzten Monaten so abgelaufen ist. Nur wirklich “Aufsicht” geführt hat irgendwie keiner in der letzten Zeit. Ja, ein altes Thema. Ja, es nervt. Nein, es ist jetzt nicht gut. Nein, die Vergangenheit darf noch nicht ruhen.

Warum nicht? Ganz einfach. Dieselben Protagonisten – mit einer Ausnahme – die wussten, dass das Geld der Betze-Anleihe “fremdverwendet” wurde, waren sich des “All-In” von Fritz Grünewalt und Stefan Kuntz bewusst als sie die Verwendung genehmigten. Wenn keinem von ihnen klar war, welches Spiel da gespielt wird, sind sie völlig fehl am Platze. War es ihnen völlig bewusst, so sind sie an der jetzigen Situation mit Schuld. Wie können sie heute da sitzen und über die leeren Kassen jammern, wenn sie selbst dafür mitverantwortlich sind? Keiner von ihnen ist aufgestanden und hat dem Tun widersprochen. Leider auch nicht in der aktuellen Situation wo man mal einfach so drei Millionen Schulden gemacht hat. Der neue Vorstand geht genauso “All-In” wie der Alte. Der Aufsichtsrat nickt dazu behäbig wie eh und je. Was soll das? Der Finanzvorstand spricht von “Wir brauchten Wasser unter dem Kiel”. Was das bedeuten soll? Die Antwort auf diese Frage “umschifft” er mit mehr Eleganz als sein Vorgänger.
Was sagt der Aufsichtsrat zu dem Thema? NICHTS!

Alles kein Problem. Wir brauchen Ruhe. Nur mit Ruhe ist ein einstelliger Tabellenplatz (sic!) möglich. In der Ruhe liegt die Kraft. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.

RUHE GIBT’S GENUG NACH DEM TOD!

Wurde nicht, durch die Verweigerung der Entlastung des Vorstands durch die Mitglieder bei der JHV 2016 ein Auftrag an den Aufsichtsrat erteilt, mal genauer zu analysieren warum (!!!) die Mitglieder die Entlastung verweigerten? Nein? Ich denke JA!

Wurde irgend etwas vom Aufsichtsrat mal untersucht? Wurden Vorgänge unter die Lupe genommen die dem Alt-Vorstand vorgeworfen wurden? Wurden die Nachweise über die Geldflüsse aus der Betze-Anleihe mal mit dem Ist-Zustand abgeglichen? Wurden angebliche Investitionen aus der Betze-Anleihe mit angeblichen Investitionen mit Mitteln aus dem “private Placement” abgeglichen ob es zu Überschneidungen kommt? Wurden Überschneidungen zwischen Investitionen aus dem “Verkäufer-Darlehen” und der “Betze-Anleihe” überprüft? Wurde recherchiert, warum noch 2015 Pläne und Modelle für den Fröhnerhof beauftragt wurden obwohl damals bereits festgestanden haben soll, dass der Ausbau des NLZ nie so stattfinden wird weil das Geld dazu fehlt?

 

Es gibt so vieles, was der Aufsichtsrat, so er denn seinem Namen gerecht werden will, in den letzten zwölf Monaten hätte tun können. Was tat er stattdessen?

Und jetzt wird, im November/Dezember, ein neuer Aufsichtsrat gewählt. Sicherlich werden einige Personen nicht mehr antreten (oder vielleicht doch?). Andere sind bestimmt der Auffassung, alles richtig gemacht zu haben. Wir spielen immer noch zweite Liga und die Anhebung der Fernsehgelder kompensieren ja den schlechten Tabellenplatz. Autsch.

 

Aber gut, in Sachen Transparenz und Einhaltung der Satzung ist der aktuelle Aufsichtsrat ja bei weitem besser als sein Vorgänger. Wir erhalten nun im quartalsmäßig erscheinendem Mitgliedermagazin einen Zwischenbericht über die sportliche und wirtschaftliche Lage des Vereins. Und selbstverständlich werden alle Abteilungen ordentlich geführt. Jede Abteilung hat einen gewählten Abteilungsleiter, eine Abteilungsordnung und hält natürlich regelmäßig eine Abteilungsversammlung rechtzeitig vor der Jahreshauptversammlung ab.

Hm, mal kurz nachsehen. Das letzte Mitgliedermagazin stammt vom März. Also noch im ersten Quartal. Darin sind genau … – wieviel Zwischenberichte zur sportlichen und wieviel Zwischenberichte zur wirtschaftlichen Situation? Öhm – NULL? Aber gut, der Vorsitzende des Aufsichtsrats hatte ja versprochen, dass er sich darum kümmert. Hmpf. Na dann schauen wir mal, wie es denn jetzt in der kommenden Ausgabe des Mitgliedermagazins aussieht. Bin gespannt.

Ach ja, die Abteilung Fußball hatte immer noch keine Abteilungsversammlung. Die sollte ja direkt nach der JHV stattfinden. Haha – keiner hat das Jahr gesagt. Ach ja, eine Abteilungsordnung hat sie natürlich auch nicht. Ist ja auch egal. Es interessiert ja eh Keinen. Oder doch? Nö, scheinbar nicht.

Wir sind eben ein Traditionsverein. Aufsichtsräte die sich nicht an die Satzung des Vereins halten haben eine lange Tradition in diesem Verein. Wenn jetzt ausgegliedert wird, dann sind diese Themen eh vom Tisch. Dann braucht man keine Fanabteilung mehr. Warum auch? Kostet ja nur Geld. Alleine die Umbenennung von “Abteilung Fußball” zu “Abteilung Fan- und fördernde Mitglieder” kostet Unsummen. Völlig klar, dass man erst einmal einen Investor strategischen Partner sucht bevor man solche Mega-Projekte wie die Umbenennung einer Abteilung angeht.

Ja, langsam kann man müde werden oder krank. Warum wäre denn eine Fanabteilung so wichtig? Wir, der große altehrwürdige 1. FC Kaiserslautern braucht so etwas nicht. Wer braucht schon eine Abteilung, in der man sich um Arbeitseinsätze im Stadion oder dem NLZ kümmert? Wer braucht schon die Unterstützung der Mitglieder wenn es um ehrenamtliche Hilfe geht? So komische Vereine wie der aus der Landeshauptstadt von RLP aber doch nicht wir. Da steht der AUFSICHTsrat doch drüber. Das sind so banale Dinge, da muss sich doch der so gestresste Aufsichtsrat nicht drum kümmern. Wir haben doch den Fanbeirat. Die machen das schon. Zumindest regt der sich auf, wenn irgendwer eine Idee hat und diese umsetzt ohne ihn zu fragen. Immerhin.

Hach ja, der AUFSICHTsrat. Wahrhaftig ein tolles Gremium.

Interessant, welche Rolle dieser “RAT” beim aktuellen Sportdirektor spielt. Ach ja, da ist ja auch noch die Antwort auf die Frage, warum wir einen Vorstandsvorsitzenden haben, der aus dem Marketing kommt. Hatten wir da nicht einen VerMARKTer? Ach so, der Vertrag von Lagadère läuft ja nicht mehr so lange. Da brauchen wir dann schon jemanden, der sich um die Vermarktung kümmert. Deshalb machen das jetzt engagierte Mitglieder. Also die Sponsorensuche. Und die Kreation neuer Partnermodelle. Und deren VerMARKTung. Ach ja, 20% von den neuen Sponsoreneinnahmen fallen an den VerMARKTer. Da spricht dann unser Vorstandsvorsitzende, also der für MARKeting Zuständige, da könne man nichts dran ändern. Das sei nunmal in den Verträgen so festgelegt.

Wer hat die Verträge genehmigt? Der AUFSICHTsrat? Ach so, das war noch der Alte vor der JHV 2014. Ja na dann. OK, die Anzahl der Personen die sich zwischen dem Aufsichtsrat von 2014 und heute unterscheiden beträgt … EINE Person. Na dann. Da kann man nichts machen.

 

Vorstand

Gut, der komplette Vorstand hat sich im Jahr 2016 “erneuert”. Seit April 2016 ein neuer Finanzvorstand und seit Mitte Mai 2016 ein neuer Vorstandsvorsitzender. Ja, wir haben jetzt endlich einen “CLAIM” – also ein Wort oder einen Ausdruck hinter dem sich alle Fans wiederfinden. “ZUSAMMEN SIND WIR LAUTERN”. Gut, das ist jetzt etwas, das hatten wir noch nicht. Auch ein tolles Motivationsvideo haben wir für “umme” bekommen. Von einem Mitglied des neu eingeführten “Teufelsrats”. Also einer Expertenkommission, die unseren Vorstand und Aufsichtsrat berät. Also auch den Aufsichtsrat, der den Vorstand beraten soll. Also dann wird jetzt der beratende Rat von Experten beraten. Gut, das ist jetzt für das normale Fan-Gehirn wohl etwas kompliziert. Vereinfacht ausgedrückt: Der Rat lässt sich beraten – aber nicht beaufsichtigen. Und der Vorstand profitiert davon. Der ausgewiesene Marketing-Experte und Vorstandsvorsitzende und Vorstand für Marketing lässt sich von einem Experten in Marketing beraten, welche Maßnahmen denn jetzt vonnöten sind, um die Fans wieder ins Stadion zu bringen. Das Motivationsvideo ist toll. Da wird von “Kampfgeist”, “Betzetugenden” und all diesen Dingen fabuliert. Ja, wenn es danach ginge wären wir dieses Jahr sicher aufgestiegen und würden nächste Saison die Bayern … – ach ne, das geht ja nur wenn wir ausgegliedert sind. Also OK.

Ja, der erste Spieltag brachte uns kapp 40.000 Zuschauer. Na also – alles richtig gemacht. Gut, es ging gegen Hannover also ein gefühltes Erstligaspiel. Und ja gegen Düsseldorf kamen nur noch die Hälfte an Zuschauern. Lag bestimmt am schlechten Wetter. Denn am dritten Spieltag waren es sogar 45.000. Das zeigt, was ein Motivationsvideo alles bewirken kann. Oder eben der zweite abgestiegene Erstligist Stuttgart.

OK, ich bin wieder pingelig. Aber die Anzahl der Sponsoren hat sich doch deutlich erhöht. Da zeigt sich, dass der neue Vorstandsvorsitzende was von Marketing versteht. Oder lag es an was anderem? Etwa weil “vergrätzte” Alt-Sponsoren wieder zurückgekommen sind? Letztlich ist es egal. Aber die Hauptaufgabe liegt ja derzeit bei der Suche nach Investoren strategischen Partnern. Ach, das hat man dem Beratungsunternehmen Roland Berger überlassen? Na ja, aber dann werden sicherlich zahlreiche Gespräche pro Woche mit den Interessenten für dieses Investment diese strategische Partnerschaft geführt. Ach so, die kann man erst führen, wenn ausgegliedert wurde? Ja dann.

Warten wir also mal ab, wie sich der neue Vorstand dann bei seiner ersten “vollwertigen” Jahreshauptversammlung präsentieren wird. Wenn man nicht mehr alles auf die “Vorgänger” abwälzen kann. Wie hoch ist dann der Schuldenstand? Wie kratzt man die Kurve, um die Eigenkapitalauflage der DFL zum 31.12.2017 zu erfüllen? Kreative Buchhaltung? Wo sind dann die Unterschiede zum Vorgänger? Was macht der Aufsichtsrat?

Nach dem Aufstieg von zwei Stadionfüllern (Stuttgart und Hannover) und dem Abstieg von mindestens einem Stadionfüller (1860) rücken die Zuschauerschwergewichte Ingolstadt, Kiel, Duisburg und Regensburg nach. Gut, Darmstadt dürfte ein paar Anhänger motivieren, ist ja nicht so weit weg. Nun denn, wird das Stadion wieder ein wenig leerer. Die 4-er Blöcke auf der Süd braucht eh kein Mensch. Sieht auch besser aus, wenn es untenrum voll ist. Na ja, 4.1 und 1.1 sind zwar meist verweist, aber unser Vorstand wird sich sicher was einfallen lassen. Oder sich beraten lassen. Vom Aufsichtsrat. Oder dem Teufelsrat. Dann machen wir einfach ein schickes Motivationsvideo, einen coolen Claim und schon geht es ab auf dem Betzenberg. Ein paar flotte Sprüche per Twitter, Facebook oder Snapchat rausgehauen. Peng. So wird man Erstligist. Ach nee, dazu müsste man ja ausgliedern. Das machen wir aber bald. Sagt zumindest der Vorstand. Der Aufsichtsrat sieht das ähnlich. Klar, eine aoMV und eine JHV sind ja kein Ding. Die beratenden Anwälte haben da sicherlich ein paar Ratschläge parat. Wie man das am Besten organisiert. Wen juckt da schon die Aufsichtsratswahl. Sollen die jetzigen doch einfach verlängern? Geht doch Ratz-Fatz. Dann bleibt genügend Zeit für ein Ausgliederungs-Video (“Ausgliederung für Dummies” – am Besten das von Stuttgart nehmen und die Logos einfach austauschen – aber pssst – ist Urheberrecht). Oder unser teuflische Rat baut ein neues Motivationsvideo zur Ausgliederung, haut ein paar Amazon-Gutscheine als “Giveaways” oben drauf und PENG – schon ist ausgegliedert. Wen kümmern Satzungsänderungen, Gesellschafterverträge und Satzungen der KGaA schon, wenn das vorher mit Vertretern der Fans abgestimmt wurde. Die haben doch bestimmt aufgepasst, dass alles richtig läuft.

Schon Klasse wenn man so einen Marketing-Experten als Vorstandsvorsitzenden hat. Der macht das mit links. Und nebenbei lässt er noch ein Motivationsvideo vom Teufelsrat bauen in dem der Verlust von schlappen 2,5 – 3 Mio Euro wie eine Brise im sanften Abendrot erscheint. Gut, die Vorgänger waren nicht besser. Aber immerhin zuletzt kreativer. Auch egal.

Unser Vorstand und unser Aufsichtsrat wollen die Ausgliederung. “Regionalliga oder Bundesliga”. Wer will da schon Nein sagen? Yeeha – alles auf Rot. Ab geht die Post. Aufstieg jetzt. Wie, wir müssen auch noch Fußball spielen? Und auch noch gewinnen? Ach komm, das ist jetzt aber blöd. Zack – Peng. Lass uns ein Motivationsvideo machen. Lade ein paar Fans in Klamotten ein, mach’ ein paar schnelle Schnitte und – Zack – Peng. Ferdisch. Passt. Jetzt steigen wir garantiert auf.

Das ist der Grund, warum wir einen Marketing Vorstand haben.

Warum keinen Sportvorstand? Dumm gelaufen. Das sollte ja einer machen, das kam aber nicht so dolle an. Im Winter.

Ach so, warum man das nicht früher schon gemacht hat? Warum? Wir haben doch so tolle Motivationsvideos. Da braucht man in einem Verein, der irgendwie mit Sport sein Geld erwirtschaftet – von Verdienen will ich da nicht schreiben – doch keine Ahnung zu haben. Also eigentlich. Na so wirklich doch nicht, oder? Wir haben doch einen Sportdirektor.

Wer ist eigentlich für den zuständig? Also so disziplinarisch? Der Vorstand. Ah ja. Welcher? Ach, das ist nicht so klar? Na dann kümmert sich doch sicher der Aufsichtsrat um ihn. Ja. Ist ja auch die Aufgabe des Aufsichtsrats. Der disziplinarische Vorgesetzte des Sportdirektors zu sein. Ach, der Aufsichtsrat darf sich nicht ins operative Geschäft einmischen? Macht er ja auch nicht. Er spricht manchmal mit dem Sportdirektor. Mehr muss ja nicht sein.

 

Sportdirektor

Wo wir gerade beim Thema sind. Der Sportdirektor. Was ist eigentlich dessen Aufgabe? Er kauft Spieler ein. Er entscheidet über Spielerfragen. Er entscheidet wer Trainer wird/ist/bleibt. Ja, dazu hat er einige Berater. Laut Organigramm das berüchtigte sportliche Beratungsgremium. Das ist im Grunde der Vorgesetzte – wenn man dem Organigramm Glauben schenken möchte. Dadurch ist der Sportdirektor der Vorgesetzte vom Cheftrainer, dem Leiter des NLZ, dem “Nachwuchskoordinator Übergangsbereich”, dem Leiter “Scoting und Spielanalyse” und natürlich dem “Experten”. Wer auch immer der Experte sein mag. Was das “sportliche Beratungsgremium” ist, wird nirgends genauer erläutert. Vielleicht ein Mitglied oder gar der ganze Teufelsrat?

Einen Antrag auf Erläuterung und Darstellung des sportlichen Konzepts auf der letzten JHV wurde leider nicht beantwortet. Gespräche haben jedoch ergeben, dass in unserem Traditionsverein so etwas wie ein sportliches Konzept nicht wirklich in der Tiefe existiert. Also ein Konzept nach dem die Jugendmannschaften ausgebildet werden. Nach denen trainiert wird. Wodurch sich eine Verzahnung der Mannschaften untereinander ergeben. Wodurch Trainerwechsel innerhalb der Mannschaften ohne Umbrüche möglich wären. Nein, ein solches Konzept scheint es nicht zu geben. Ja, es wäre schön. Aber nein. Ham wa nich. Na ja, kann ein Sportdirektor sich ja auch nicht drum kümmern. Außerdem, wer sollte es denn kontrollieren? Ist ja keiner da der Ahnung davon hat. Oder doch? Aber nein, das ist ja ein Lehrling. Der wird schon anderweitig verheizt. Ach und der Andere? Der sieht das nur als neumodischen Schnickschnack an. Brauchten wir früher auch nicht. Schließlich sind wir ein Traditionsverein.

Reicht gerade, dass wir Motivationsvideos haben und ausgliedern. Ja, auch die U-Mannschaften bis zur U17. Ja natürlich. Gut, zur Sicherheit gründen wir dann eine FCK III Mannschaft. Die bleibt im e.V. für den Fall, dass die KGaA mal insolvent sein sollte. Kann aber nicht passieren. Nein, wir haben ja einen Investor strategischen Partner. Der lässt uns doch nicht im Stich, oder?

Ja, was sagt eigentlich der Sportdirektor zur geplanten Ausgliederung? Dann kommt endlich Kohle in die Kasse. Wer darf das dann ausgeben? Er natürlich. OK, die letzte Saison war schon recht erfolgreich. Zwar die Zielvorgabe verfehlt aber das lag nur an den bösen Fans, die mit Stangen geworfen haben. In Aue. Beim vorletzten Spiel. Aber bis dahin haben wir alles offen gehalten. Ein einstelliger Tabellenplatz wäre möglich gewesen. Eigentlich. Also im Grunde genommen schon.

Aber dann, mit den Millionen Euro in der Kasse. Da geht das alles natürlich viel leichter. Mal eben für ein paar Milliönchen die Super-Typen holen. So wie die 60er Löwen. Na gut, das ist jetzt etwas dumm gelaufen. Lag aber an dem Trainer. Oh, den hatten wir ja auch einmal. Also dann am Investor strategischen Partner. Ach so, hätten wir dann ja auch. Na gut, dann lag’s bestimmt an den Fans. Diese Bösen. Die verbrennen mit ihren Pyros das ganze Geld. Weniger Pyro = mehr Kohle für Spieler. Ganz einfach. Ganz simpel. Wer das nicht versteht…

Außerdem bleiben wegen der ganzen Pyro-Kacke die Investoren strategischen Partner weg. Wer will das schon. Nur deshalb kann der Sportdirektor nicht wirklich frei gestalten und erfolgreich arbeiten. Alles wegen der Fans.

 

Fans

Ja, die Fans. Undankbares Volk. Diese saufenden und raufenden Typen. Wegen denen zahlt der Verein soviel Strafen. Ja, wahnsinnige 5.000 Euro bisher in dieser Saison. Unglaublich. OK, dass die Ballerinas mit ihrem Gehopse und dem Absturz in der TV-Geld Rangliste mehr gekostet haben ist nebensächlich. Pyro geht gar nicht. Wo kämen wir denn hin. Ja, gegen Barcelona war das cool. Jetzt ist es verboten. Ach, damals auch schon? Egal, damals war das cool. Lebenslang sperren sollte man diese Typen. Unglaublich.

Wenn jetzt noch eine Blocksperre kommt. Was das den Verein kostet! Warum? Na weil die West doch im 1er Bereich voller Dauerkarten ist. Ja, stimmt, die sind ja schon bezahlt. Ja weil … Ähm. Und dann? Kaufen die auch noch Karten für die Ost. Ach so, dann würde der Verein ja nochmal mehr Umsatz machen. Hm. Egal. Das kostet doch alles Geld. Und überhaupt.

 

 

Verbände und Polizei

Solche Zustände wie gestern in München sind Mist. Einfach und schlicht Mist. Da gibt es keine Entschuldigung. Es nervt einfach, bei den ganzen Gesprächen mit Polizei, Innenpolitikern, Funktionären bei DFL und DFB Verhaltensweisen zu erläutern wenn dann so ein Blödsinn passiert wie in Braunschweig – das Werfen von Böllern und Pyro ist Mist – oder in München. Bei der nächsten Sitzung der AG Fankulturen werden diese Vorfälle wieder thematisiert. In der Projektgruppe “Verbandsgericht und Zuschauerverhalten” soll dafür gesorgt werden, dass Kollektivstrafen verhindert werden sollen. Mit diesen Vorgängen sitzen die Verbände und deren “-richter” da und lächeln. Da fragt man sich dann schon, warum man sich diese Gespräche überhaupt gibt.

 

Fazit

Irgendwie bin ich leer. Ausgebrannt. Warum habe ich heute meine Dauerkarten nicht gekündigt? Warum stehe ich nächste Saison wieder im Block und frage mich, was ich da eigentlich mache? Warum schrubbe ich in der kommenden Saison wieder Kilometer um Kilometer (mit Kiel sogar nochmal einen Tick mehr), nur um dann wieder mit einem Unentschieden oder gar einer Niederlage nach Hause zu fahren?

Nur, um im Hotel eine Mannschaft zu sehen, die trotz Niederlage froh gelaunt ist und Späße macht, während die eigene Fanseele am Boden liegt?

Gibt es Hoffnung auf Besserung? Ohne Ausgliederung? Wie können Einnahmen und Ausgaben in Einklang gebracht werden? Brauchen wir die teuren Wirtschaftsprüfer der KPMG oder tun es andere WPs auch? Brauchen wir einen eigenen Bus? Gibt es Kosten die wir sparen können ohne die Qualität zu verschlechtern? Gibt es ehrenamtliche Arbeiten die derzeit von hauptberuflichen Personen gemacht werden? Könnte eine Fanabteilung hier nicht doch helfen?

Sick and tired.

Es ist Zeit für eine Pause. Auszuschlafen. Gesund werden.

Links:
Präsentation Fanabteilung M05

Entwurf Abteilungsordnung Fanabteilung M05