Ruhe gibt’s genug nach dem Tod

Die erste JHV in der Post-Kuntz-Grünewalt Ära steht bevor und die Lager beziehen ihre Positionen. In den Foren und den (a)sozialen Medien werden munter die Messer gewetzt.

Da wird im Kicker geschrieben, dass es eine anonyme Anzeige gegen den Alt-Vorstand und auch den im letzten Jahr zurückgetretenen Aufsichtsratsvorsitzenden gab und diese aber nicht verfolgt würde, da die Mittelverwendung der Betze-Anleihe keine Zweckbindung vorsah und auch ein Veruntreuungsverdacht oder gar Betrugsverdacht nicht vorliegt. Das führt dann natürlich umgehend zur Schlussfolgerung, dass Kuntz, Grünewalt und Rombach alles korrekt gemacht haben und deshalb entlastet gehören. Schließlich wird es Zeit, dass endlich RUHE einkehrt. Zudem würde die “Nicht-Entlastung” außer Ärger und erneute Unruhe nichts bringen, da sich die Alt-Vorstände vor Gericht die Entlastung erstreiten könnten und das wieder nur eine neue Runde der Schlammschlacht auslösen würde.

Der Alt-Vorstand Finanzen und Unternehmensentwicklung Fritz Grünewalt, säuselt in der effektheischenden RTL-Nachtjournal-Extra Sendung vom 28. Oktober 2016 wagemutig und geheimnisvoll über Insolvenz-Fantasien der Skandal-Reporter von RTL in der sich der 1. FC Kaiserslautern 2008 befunden haben soll. Die Schlammschlacht vom allerfeinsten wurde damit eröffnet.

Dass es dann noch eine Erklärung des Ehrenrates für die JHV 2015 gibt welche die Umgangsformen anprangert ist schon erstaunlich. Gerade der Ehrenrat, der sich 2014 nicht wirklich ehrenwert verhalten hat beruft sich auf die Werte Fritz Walters wie Fairness, Respekt und Anstand. Die Werte Ehrlichkeit und Bodenständigkeit, sicherlich auch Werte eines Fritz Walters wie eigentlich eines jeden Menschens, waren da nicht im Repertoire.

Also lieber Ehrenrat, Werte sollen vorgelebt werden, dann klappt das auch mit dem Nachleben.

Kommen wir zu dem, was offenbar jedem derzeit am Herzen liegt: “ENDLICH RUHE”. Nun denn, man gehe auf einen Friedhof, dort herrscht Ruhe. Woanders herrscht hektische Betriebsamkeit. Aufregung, laute Stimmen, leise Stimmen, Fragen, Antworten, Flüstern, Schreien, also solche Dinge die im Leben um uns herum täglich ablaufen.

Wir sollen “DEN BLICK NACH VORNE RICHTEN”. Das ist eine gute Idee. Jedoch hat jeder in der Fahrschule gelernt, dass man, bevor man losfährt, erst einmal in den Rückspiegel schauen sollte. Es könnte ja sein, dass da gerade ein Müllauto vorbeirauscht. Dann ist nix mehr mit “nach vorne schauen”. Dann macht es “PENG” und alles ist kaputt.

Genau darum geht es bei vielen Anträgen der “ewig Gestrigen” wie Bernd Schmitt vom SWR es nannte oder dem “Störfeuer” wie es der neue Vorstandsvorsitzende Thomas Gries es abwertend titulierte.

Der 1. FC Kaiserslautern e.V. hat derzeit eine Vertrauensbasis die auf Treibsand gebaut ist. Ohne die Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit kann kein solides Fundament für den neuen Vorstand entstehen. Da sind viele Dinge bislang ungeklärt und diese Dinge sollten ein für alle Mal aufgeräumt werden. Nur wenn klar ist, wie in der Vergangenheit gearbeitet wurde können Handlungsanweisungen entstehen, die solche Vorgehensweisen in Zukunft helfen zu vermeiden.

Die Anträge die sich mit dem Verbleib der Anleihe und dem Verkäuferdarlehen auseinandersetzen bilden da nur das Vehikel um festzustellen, was der Aufsichtsrat zu welchem Zeitpunkt wusste und wie darüber entschieden wurde. Handelte der Vorstand eigenmächtig und informierte der den Aufsichtsrat erst nachdem Geld aus den Töpfen für das NLZ zweckentfremdet eingesetzt wurde? Wie kann zukünftig vermieden werden, dass der Aufsichtsrat Dinge erst nachträglich erfährt? Ist das vom alten und neuen Aufsichtsrat so hoch gepriesene Finanzinformationssystem eher eine Luftnummer mit Zahlen die gewürfelt waren oder nutzt es tatsächlich zur “Aufsicht”?

Was ist mit dem Antrag wegen der Stadionpacht? 2014 wurde das Modell als das Wundermittel schlechthin seitens des Vorstands und des Aufsichtsrats hingestellt. Heute ist klar, das Vehikel Stadionpachtreduzierung ist genauso eine Luftnummer die uns nur kurzfristig helfen wird. Wenn Fritz Grünewalt in der Zeitung meint, die Verhandlungen zur Verlängerung seien einfach zu führen, dann möge er die nächsten 2,4 Millionen in den Pachtzinspool einlegen, um die kommenden 3 Jahre in der zweiten Liga zu finanzieren – natürlich aus seinem Geldbeutel. Eine Stadt wie Kaiserslautern, die an allen Ecken und Enden sparen muss, kann nicht einfach mal so auf die Stadionpacht verzichten. Anstatt ein wirklich nachhaltiges Konzept entwickelt zu haben, wurde bei dem “Zukunftsmodell 1. FCK” auf kurzfristige Lösungen gesetzt, die von der Hoffnung lebten, endlich wieder in der 1. Bundesliga mitspielen zu können und an die Fleischtöpfe der DFL Fernsehgelder zu gelangen. Dann ließe sich das alles relativ einfach darstellen. In den Niederungen der zweiten Liga ist das aber eben nicht möglich.

“Nach mir die Sintflut” dürften sich einige Personen gedacht haben, als sie das letzte Mal die Tür der Geschäftsstelle in einer Führungsfunktion ins Schloss fielen hörten. Der eine bereitet sich auf seinen neuen Unternehmensauftritt vor und schmeisst via RTL mit brauner Masse um sich, der andere sitzt an den Fleischtöpfen des DFB und wieder ein anderer bezieht gerade seine letzten Gehaltszahlungen.

Ist die Ära Stefan Kuntz und Fritz Grünewalt ist zu Ende? Nein, noch nicht ganz. Erst wenn klar ist, was mit der Anleihe geschehen ist, was mit dem Verkäuferdarlehen geschehen ist, wie viel “befreundete” Unternehmen zugeschustert bekamen, ob der Zinsverzicht von Besitzern der Betze-Anleihe tatsächlich 100% dem 1. FCK zu Gute kommt, wie die Modelle der Stadionpacht ab Ende 2017 umgesetzt werden können und viele andere Fragen geklärt sind, erst dann ist die Ära Stefan Kuntz und Fritz Grünewalt beendet. Dann kann man dieses Buch zuklappen und sich an die erfreulichen Tage der Zeit erinnern. Den 18. Mai 2008, den 23. September 2009, den 25. April 2010, den 27. August 2010, den 27. November 2010. Nun gut, nach dem Jahr 2010 gab es dann nicht mehr ganz so viel Erfreuliches. 

Viele Dinge wurden in der Vergangenheit von Mitgliedern, unter anderem auch von mir,  hinterfragt und kritisiert. So langsam zeigt sich, dass vieles was bislang vermutet wurde sich bewahrheitet. Entgegen den Wünschen Vieler sollte nun das Kapitel endgültig abgeschlossen werden. Das geht aber nicht ganz im stillen Kämmerlein ab. Denn die Mitglieder wurden in den vergangenen Jahren kräftig hinters Licht geführt. Sei es aufgrund der Gutgläubigkeit “wir stopfen keine Löcher”, “jeder Cent fließt ins NLZ”, aufgrund nicht vollständig erklärter Sachverhalte “Stadionpacht”, “Kontoauszug” oder einfach aufgrund fehlendem Verständnis für die Sichtweise der Fans und Mitglieder “Fanabteilung”.

Es ist nun die Zeit der Aufarbeitung und der Abrechnung. Jedes Mitglied darf am Samstag darüber beschließen, wie die Entlastung für den Vorstand (alt und neu) und den Aufsichtsrat (alt und neu) aussehen soll. Faite vos jeux, Medames, Messieur.
Ruhe gibt’s genug nach dem Tod

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