Transparenz, Aufbruchstimmung – nicht bei mir – noch nicht

Da war sie also nun, die Pressekonferenz „anlässlich der aktuellen Entwicklungen beim 1. FC Kaiserslautern“. Am vergangenen Dienstag – 3. Mai 2016 – fand die lange erwartete PK statt und im Vorfeld erwartete man die Offenlegung der finanziellen Situation – und daneben auch noch die Vorstellung des neuen Sportdirektors.

Mit ein paar Tagen Abstand zu der Veranstaltung möchte ich mich in erster Linie mit der finanziellen Situation auseinander setzen, die dort verkündet oder eben auch nicht verkündet wurde.
Für alle, die keine langen Texte mögen, der schnelle Hinweis

Das Geld ist nicht weg, es ist nur woanders

So, das könnte ja für’s erste reichen. Unser neuer Finanzchef ist in den „Keller“ gegangen, hat den „Tresor“ geöffnet und siehe da, ….
alles ist gut. Ja, der Verein kann seine Rechnungen bezahlen – heisst soviel wie, er ist „liquide“. Gut, die 1,9 Millionen Euro aus der Betze-Anleihe hat Michael Klatt jetzt gerade nicht gefunden, aber damit hat er auch gerechnet – oder auch nicht. Wo das Geld geblieben ist? Nun ja, das kann man nicht so genau sagen. Kann oder will er nicht?
Aber es ist alles halb so wild. Der Kader der Lizenzmannschaft wird in der kommenden Saison verkleinert, verbilligt (-20%) und auch die U23 wird verkleinert. Alles im grünen Bereich. Wirklich?

Auch auf dem Fröhnerhof ist alles gut. Schließlich sind die Plätze das Wichtigste – sagt zumindest der Finanzchef und der hat es sich vom neuen NLZ-Chef sagen lassen. Ja, an den Gebäuden müsse man was machen, aber eine Halle, ohne Keller und mit Flachdach, das sollte schon reichen. So für den Anfang.
Was aus dem groß angekündigten Zukunftskonzept geworden ist, fragt wohl keiner mehr. Selbst auf der letzten JHV wurden noch der neue Gebäudekomplex „Nachwuchs – Profis“ vorgestellt. Daraus wird wohl, vorerst, nichts. Für den Anspruch eines „Ausbildungsvereins“ reicht es ja, wenn die Jungs auf dem Platz trainieren können. Man muss halt auch mal kleine Brötchen backen.

Ja, ich weiß, jetzt spricht mal jemand aus der Vereinsführung transparent die Probleme an und ich bin immer noch nicht zufrieden. Die alte Meckerbacke, nie gibt er Ruhe. Jetzt lasst uns doch nach vorne schauen. Vergangenheitsbewältigung ist sowas von „out“.

Nun denn, dann schreibe ich hier noch einmal – hoffentlich letztmalig – was mir, trotz der neuen Charme- und Transparenz-Offfensive, auf dem Herzen liegt und mir Kopfzerbrechen bereitet. Auch wenn es, wie Michael Klatt ankündigte, keine Bilanzpressekonferenz war, die da am Dienstag stattgefunden hat, mir fehlen da einfach ein paar Millionen Euro und so ganz will ich noch nicht zur Tagesordnung übergehen.

Buchhaltung

Die verlorenen 1,9 Millionen

Fangen wir einmal mit der Buchhaltung an. Denn ich denke, da scheint etwas im Argen zu liegen.
Während der PK wurde die Frage gestellt, wohin denn die „erwarteten“ 1,9 Millionen Euro, die „eigentlich“ noch von der Betze-Anleihe übrig sein müssten geflossen seien. Unser neuer Finanzchef antwortete daraufhin, dass sie wohl nicht „unkontrolliert den Berg hinabgeflossen seien“. Hmpf. SONDERN?

Darüber hinaus scheint sich keiner ernsthaft fragen zu wollen, warum da nur noch 1,9 Millionen von den ursprünglichen 6 Millionen Euro verbleiben, wenn der Fröhnerhof 2,6 Millionen gekostet hat. Also 6,0 minus 2,6 = 1,9? Nein, nein, natürlich nicht. Da waren doch noch die Emissionskosten (laut Wertpapierprospekt 5% = 300.000 Euro). Gut, es waren laut einer Folie der letztjährigen JHV nicht ganz 6 Millionen, sondern „nur“ 5.953.820 Euro Zeichnungshöhe. Dafür haben wir aber 375.655 Euro „Emissionskosten“ verbrannt. Schon hier wurde nach dem alten Fleischereifachverkäufermotto „Darf’s ein bisschen mehr sein“ verfahren und statt 5%, 6,31% aus dem Topf genommen.
Nun ergeben 5,9 Millionen minus 375 Tausend Euro noch immer einen Topf von knapp 5,58 Millionen Euro.
Als nächstes wurde aus dem Topf Geld in Höhe von 538.465 Euro für „Investitionen, Barter und Planung“ genommen. Für was genau? Keine Ahnung. Eine halbe Millionen Euro für Planung, Barter (?!) und Investitionen – in was bleibt der alte Finanzvorstand schuldig.
Dann wurden aus dem Töpflein noch einmal 2.799.728 Euro genommen, um den Fröhnerhof letztlich zu kaufen. Hier heisst es „inklusive Kaufnebenkosten“. Schwupp, wieder 200.000 Euro mehr als „offiziell“ verlautbart. Aber OK, wir haben es ja.
Zu guter Letzt tauchen 195.000 Euro „anteilige Kosten EU-Prüfung“ auf. Weshalb diese Kosten aus dem Topf der Anleihe genommen werden verstehe ich nicht, denn es ging ja bei der EU-Prüfung – die ja auch niemals stattgefunden hat – um den neuen Pachtvertrag. Darüber hinaus wurde auf einer Stadtratssitzung bekannt, dass auch die Stadiongesellschaft für die Anwaltskosten der Prüfung gezahlt hat. Nur so nebenbei „was hat denn der Verein mit der EU-Prüfung zu tun, wenn es eigentlich Sache der Stadiongesellschaft ist, die Sachverhalte prüfen zu lassen“?
OK, somit verbleiben am Ende von den einstmals so blumig angekündigten 6 Mio der Fananleihe, noch knappe 2 Millionen. Und die sind jetzt futsch. Oder nicht?

fck_jhv15_grünewalt8_medium

Die verschwundenen 2,8 Millionen

Ein weiteres Kapitel der Merkwürdigkeiten. Das ominöse Verkäuferdarlehen. Also ein Darlehen, welches der 1. FCK (damals als Verkäufer) der Stadiongesellschaft gab und was im April 2010 abgezinst an den Verein durch die Stadiongesellschaft zurückgezahlt wurde. Diese 2,8 Millionen Euro sind zweckgebunden für Investitionen in den Fröhnerhof (80%) und das Stadion (20%). Sollten diese Investitionen bis zum 30.6.2028 nicht nachgewiesen werden, so ist der Verein verpflichtet, den Betrag in voller Höhe zuzüglich Zinsen wieder an die Stadiongesellschaft zurück zu zahlen. Seit der Bilanz zum 30.6.2010 suche ich nach diesem Geld und kann es nicht finden. Nachfragen bei nahezu jeder JHV wurde mit merkwürdigen Investitionen begründet, die jedoch im Anlagespiegel nicht zu finden sind. Angeblich soll bereits im siebenstelligen Volumen investiert worden sein. Zwar ist dieser Satz jedes Jahr identisch, nur die Jahreszahlen variieren, aber Nachfragen nach diesen Investitionen wurden bislang immer ignoriert.
Bei der damaligen Vorstellung des „FCK Zukunftsmodell“ im Jahr 2013 wurden aber diese 2,8 Millionen Euro zu den geplanten 6 Millionen aus der Betze-Anleihe addiert, um auf ein Investitionsvolumen von 9 Millionen Euro zu kommen.
Auf der Pressekonferenz am vergangenen Dienstag wurde die Frage nach dem Verbleib dieser 2,8 Mio Euro erneut gestellt. Die Antwort war, leider, extrem unbefriedigend. „Auf den Scheinen steht ja nicht drauf, woher sie stammen“, lautete die Antwort.

So nebenbei tauchte in der letztjährigen Bilanz eine weitere Bemerkung zu dem Verkäuferdarlehen auf. Dort heißt es

Im Rahmen des Grundstückkaufvertrages „Fröhnerhof“ hat sich der Verein verpflichtet, Investitionen in das NLZ in Höhe von mindestens 3 Mio vorzunehmen. Der Investitionsbetrag wird auf die Investitionsverpflichtung gem. dem Vertrag zur vorzeitigen Ablösung des Verkäuferdarlehens angerechnet

Also mindestens 3 Mio Investitionen in den Fröhnerhof sind verpflichtend im Kaufvertrag vereinbart. Damit wäre dann die Verpflichtung aus dem Vertrag über die Ablösung des Verkäuferdarlehens „erledigt“.
Ist sich dessen jemand bewusst?

Hat die Buchhaltung Konten?

Diese Frage lässt sich angesichts des Verschwindens von circa 4,7 Millionen Euro durchaus stellen. Ja OK, ich bin kein Controller und auch kein Finanzchef eines 40 Mio Unternehmens. Aber selbst in meiner kleinen Klitsche würde ich, wenn ich denn Gelder mit dieser Zweckgebundenheit hätte, pro Vorgang ein eigenes Konto anlegen. Denn jeder Abgang wäre dann nachvollziehbar. Wenn ich also wissen wollte, was mit dem Geld passiert ist, so könnte ich das sehen und wäre in der Lage, wenn ich denn wollte, den Verbleib aufzuschlüsseln.
So richtig kann ich eigentlich nicht glauben, dass es diese Möglichkeit beim 1. FC Kaiserslautern nicht gibt. Dann stellt sich jedoch die Frage nach der so vollmundig angekündigten „Transparenz“? Nur eine Worthülse? Oder soll es die Mitglieder, diese dummen kleinen Nervensägen, ruhig stellen? Man weiß halt nicht so richtig, wo das Geld geblieben ist. Vergangenheitsbewältigung ist nicht unser Ding. Zukunftspläne schmieden ist unsere Aufgabe.

Dann sind da noch die Verbindlichkeiten

Ja, kann ich verstehen, dass man da nicht im Detail sagen kann, woher diese 17 Millionen bei der letzten JHV stammen. Ja, 6 Mio Anleihe. Private Placement? Also da schlummern durchaus noch andere Werte rum. Abgesehen von den 2,3 Mio Restzahlung Fröhnerhof sind da noch die 1,2 Mio für die Mietstundung, 473 TEur für die Ablösung eines alten Besserungsscheins – wird fällig im zweiten Jahr der Erstligazugehörigkeit.

Ach ja, es schlummert auch noch ein Besserungsschein in Höhe von 1,5 Mio in der Schublade der bislang nicht in der Bilanz aktiviert ist.

Die Rückzahlung der Anleihe ist garantiert

Das war ein ziemlicher Hammer den unser neuer Vorstand Vertrieb und Marketing da rausgehauen hat. Thomas Gries sagte tatsächlich, dass jeder seine Anleihe zurückerhält. Daran würde man sich messen lassen.
Gut, wir hatten auch schon einen Aufsichtsratsvorsitzenden, der sein Wort gab, dass das gesamte Geld der Anleihe noch da ist, aber das ging dann ja auch irgendwie daneben und dennoch wird ihm heute noch nachgejammert.
Für mich stellt sich die Frage, warum Herr Gries sich so weit aus dem Fenster lehnt. Denn das bedeutet ja, dass wir (der 1. FCK) bis zum 1. August 2019 (Rückzahlungsfälligkeitsdatum) die gut 6 Millionen Euro an „Überschuss“ erwirtschaftet haben müssen. Soviel „Aufbruchstimmung“ kann ich mir nur dann vorstellen, wenn wir bis dahin zwei Jahre erste Liga hinter uns haben und auf der Ausgabenseite extrem auf der Bremse stehen. Das eine schließt in diesem Fußballgeschäft aber fast immer das andere aus.

Wer hat’s gemacht?

Gut, diese Frage ist leicht beantwortet.
Die bisherigen Vorstände Stefan Kuntz und Fritz Grünewalt haben, mit sehendem Auge, das Geld verbrannt. Sei es das Geld der Anleihe, das des Verkäuferdarlehens und das aus dem laufenden Geschäft. Wenn im „normalen“ Geschäft nur Verluste erwirtschaftet werden, die mit den Transfererlösen, den guten DFB-Pokalplatzierungen etc. übertüncht werden und dem „dummen“ Mitglied als „solides und seriöses wirtschaften“ verkauft wird, dann ist das mehr als grenzwertig.
Ganz schlimm wird es dann, wenn man fragt wozu es eigentlich einen Aufsichtsrat in unserem Verein gibt. Denn dieser führte offenbar über Jahre weder „Aufsicht“ noch „riet“ er irgendwas – vielleicht nur, wie man die Mitglieder bei Laune halten kann. Aber die von der Satzung vorgesehene Aufgabe kam der letzte und auch der aktuelle Aufsichtsrat offenbar nicht wirklich nach.
Nun wird versucht, den Sonnenschein hinter den Wolken herauszulocken, damit ja kein Sponsor oder gar „Investor“ wegläuft. Sorry, es muss manchmal erst richtig wehtun bevor die Heilung eintritt. Bislang kratzen wir an dem Melanom anstatt es mit Stumpf und Stiel operativ zu entfernen. Mit allen verbundenen Schmerzen.

Auf der kommenden JHV kann es deshalb, aus meiner Sicht, nur die Nicht-Entlastung der bisherigen Vorstände (Stefan Kuntz und Fritz Grünewalt) für die Zeit vom 1.7.2015 bis 31.3.2016, sowie auch der Aufsichtsräte geben. Denn der aktuelle Aufsichtsrat ist in seiner Besetzung schon länger am Werk und besteht ebenfalls aus Personen, die auch in der letzten Periode bereits dort gesessen haben. Irgendwas ist da bei der „Stufe 4“ schief gelaufen.

jhv13_grünewalt11

Ein Neuanfang? Ja, aber dann richtig.

Aber auf mich hört ja eh keiner 😉

Blick nach vorne

So, nachdem ich jetzt alles noch einmal runter geschrieben habe, damit später keiner sagen kann „das habe ich nicht gewusst“, gilt es den Blick nach vorne zu richten.

Was mir bei der PK am Dienstag gut gefallen hat war das Rollenspiel. Der Verkäufer und der Bremser. Gries, der die Aufbruchstimmung verkauft, der gerne wieder die alte Barcelona Stimmung hätte, der gerne eine volle Bude haben möchte und Klatt, der seriös und langsam auf der Bremse steht und sagt „wenn’s nichts kostet – OK“. Spannend wird sein, wie dieses Team es schafft, die so oft erwähnte Aufbruchstimmung zu erzeugen. Wie kann man bei dem Grottenkick der da überwiegend in 90 Minuten auf dem Platz zu sehen ist, wieder das „gallische Dorf“ werden. Alle gegen die anderen. Das Verbinden von allen Richtungen der Fans. Es wird auf alle Fälle ein gewaltiger Kraftakt. Die Gräben zwischen den Fanstrukturen und „-Kulturen“ sind riesig. Gerade konnte man nach dem Leipzig Spiel beobachten, dass die Gräben riesig sind. Abgesehen von der Presse, wird in den Sozialen Netzwerken und den Foren gegeneinander gehetzt was das Zeug hält. Hier die Brücke zu schlagen ist eine Mammutaufgabe. Wer soll das machen?
Die andere Baustelle, die Sponsoren. Gerade das aktuelle Thema Layenberger und Union Berlin ist ein Schlag in die „Fr….“ des 1. FCK. Was die letzte Führung an „verbrannter Erde“ hinterlassen hat ist offenbar riesig. Da reicht vermutlich die Sierra Nevada nicht aus. Wie schafft es Gries und Lagadère Sports, die Sponsoren wieder auf den Berg zu holen? Es darf gespannt beobachtet werden.

Ist so ein kritischer Blog wie dieser hier an der Misere schuld? Natürlich nicht. Denn die Probleme stammen aus dem Verein, nicht aus diesem Server. Es ist wie bei einem Knollen wegen zu schnellem Fahren. Es ist nicht das Ordnungsamt schuld, es schreibt nur das Vergehen auf. Der Fahrer ist – in den meisten Fällen – schuldig.

So, nun klappe ich mal meine Bücher zu, setze mich hin und schaue was passiert. Vielleicht wird diese FCK-Wochenschau ja wieder zu dem, was sie ursprünglich mal sein sollte. Ein Blog über den tollen 1. FC Kaiserslautern. Die Spiele, das Vereinsleben, die Vereinspolitik und das wir alle, auch wenn es mal Ärger gibt, uns wieder zusammenraufen und am nächsten Spieltag unseren Emotionen freien Lauf lassen dürfen.

Was mir persönlich fehlt ist ein klares Bild von unserem Verein. Ein „Leitbild“. Ein Selbstverständnis. Wenn auf dem Fröhnerhof ein Gebäude hin muss, na dann machen wir das halt. Was kann Union, was wir nicht besser können?

Auf eine interessante Sommerpause mit vielen Aktionen und vielleicht einem Stadionfest mit einem interessanten Gegner. So in der Art wie Hellas Verona vielleicht?