Eine Lizenz mit Sternchen

Lange nichts mehr geschrieben. Warum? Weil es die Zeit der Abrechnungen war. Jeder gegen jeden, die Königsmörder gegen die Bilanzfälscher. Seit der JHV 2015 ist viel Wasser den Rhein hinunter geflossen. Wie lautete die alte Weisheit? “Setz’ Dich an den Rand des Nils und warte bis Dein Feind tot vorüber schwimmt”. Das soll letztlich nur heißen, dass man mit etwas Ausdauer und Geduld am Ende doch gewinnen wird.

Es sei  denn …

die Deutungshoheit besitzt die Rheinpfalz und deren journalistische und betriebswirtschaftliche Speerspitze deutscher Schreiberlinge.

Was wurde da nicht alles geschrieben. Von tumultartigen Zuständen während der JHV 2015. Von der schweigenden Mehrheit die einem Aufsichtsratsvorsitzenden nicht zur Seite gestanden hat als er sie brauchte. Von einem Aufsichtsrat der nun für die sportliche Katastrophe verantwortlich ist, weil er dem über alles thronenden Vorstandsvorsitzenden einen Spielerkauf verwehrte.

Es folgten Kommentare und Kolumnen die darauf basierten, dass Personen zu Wort kamen, die es in der Vergangenheit regelmäßig erreichten, dass selbst aus Abfall noch Gold werden sollte, am Ende aber nur noch Unrat übrig blieb. Man hatte den Eindruck, dass die Autoren dieser Beiträge morgen arbeitslos sind, wenn ihre leuchtenden Idole nun mit einem Mal vom Berg verschwinden.

Nachdem diese Treibjagd eine ganze Weile ging zeigt sich nun, dass man, zwar immer noch am Rockzipfel der einst Mächtigen, nun den neuen Prinz Charming gefunden hat. Den Jüngling mit blondem Haar aus der Schuhstadt Pirmasens. Es vergeht kaum eine Woche in der nicht in mindestens einem Artikel der einzigen Zeitung die sich scheinbar noch für den 1. FC Kaiserslautern interessiert, das hohe Loblied auf die vergangene Führung gesungen wird und gleichzeitig Prinz Charming ebenfalls in dieses Horn hineinbläst.

Als nun gestern die Proklamation der Lizenzerteilung ohne Auflagen und Bedingungen erfolgte, ließ es sich der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Nikolai Riesenkampff nicht nehmen, erneut auf die hervorragende Arbeit des – offenbar leider – ausgeschiedenen Finanzvorstand Fritz Grünewalt hinzuweisen. Welch tolle Projekte er doch letztlich in seiner Zeit beim 1. FCK geleistet hat. Das neue Pachtmodell – das nach derzeitigem Stand der Dinge in der kommenden Saison schon nicht mehr greift. Der Rückkauf des Nachwuchsleistungszentrum Fröhnerhof – der aufgrund der verschwundenen Mittel aus der Betze-Anleihe aber derzeit nicht umgebaut werden kann. Das Museum – das eigentlich noch keins sein darf und das bis heute keine vernünftige Software zur Verwaltung der Exponate besitzt, ganz zu schweigen von einem regelmäßigem Museumsbetrieb.

Alles Projekte die der geniale und betriebswirtschaftlich hoch intelligente Herr Grünewalt in den Jahren angefangen hat. Ach ja, die Geschichte mit dem Vermarktervertrag und seiner Garantiesumme ist ja auch so ein “Meilenstein” in der Geschichte der jüngsten Vergangenheit des Vereins.

Bin gespannt, ob da nicht noch einmal der nun sehr familienorientierte Herr Grünewalt eine Sonderaudienz gegeben hat und im Rahmen eines, natürlich sehr persönlichen, Interviews über seine Erfolge schwadronieren darf und wie undankbar doch dieses Völkchen ist, das sich da Fans oder gar Mitglieder schimpft.

Die Ankündigung der DFL, bzw. des Vereins, dass die Lizenz ohne Auflagen und Bedingungen erfolgte lässt nun also die Rheinpfalz in schier unglaubliche Höhenflüge abheben. Sprechen die sogar von einer “Lizenz mit Stern”. Noch lächerlicher geht es wohl kaum. Es scheint, als sei es ein Wettkampf der Lizenzantragsteller bei der DFL wer denn die “beste Lizenz” beantragt hat. Wenn diese erteilt wird, steht dann eine persönliche Bemerkung drunter, in roter oder grüner Tinte wie früher in der Schule “Sehr gut gemacht Fritz. Ein Extra Sternchen für Dich” oder etwa “Das ist der beste Lizenzantrag die Du in den letzten Jahren abgegeben hast. Mach weiter so – ach so,oops. Na gut, deshalb heute mit Sternchen”.

Wenn dann in den sozialen Medien und Foren applaudiert wird, dass die mittlerweile abgelöste Vereinsführung wohl doch besser gewirtschaftet hat als die bösen Ratten und Heckenschützen immer wieder gesagt haben, dann hat man bei diesen Typen wohl den Knall noch nicht gehört. Die Beantragung einer Lizenz basiert einzig und alleine auf den bisherigen Werten, einer Zwischenbilanz per 31.12.t-1, und Planzahlen die in sich schlüssig sein sollten und damit belegen, dass man in der Lage ist die Saison für die man eine Lizenz erwerben möchte, bis zu Ende finanziell durchzustehen. Mit nachhaltigem und vernünftigen wirtschaftlichem Handeln hat das mal überhaupt nichts zu tun. Es gibt da durchaus Beispiele bei denen die Lizenz zwar erteilt, am Ende die Insolvenz aber dennoch unausweichlich war. Andere Beispiele mussten Punktabzüge in Kauf nehmen, da man sich von den Planzahlen zu weit verabschiedet hatte. 

Aber STOPP – stand doch da heute in der Rheinpfalz etwas von knapp 100.000 Euro Vereinsvermögen, das zum 31.12.2015 ausgewiesen wurde. Yeeeeha! Wir sind wieder im Plus! – OK, wir waren es wohl mal bilanziell für mindestens einen Tag. Dieser Trick war nötig, damit wir nicht wieder diese dämliche Finanzauflage erhalten und unser negatives Vereinsvermögen um 5% reduzieren müssen. Ja, ja, schlau ist er der Herr Grünewalt. Mal eben alles Geld zusammen kratzen, um einen Kontoauszug für die JHV zu produzieren auf der die Betze Anleihe ausgewiesen wird. Dass vermutlich alle anderen Konten leer waren und wohl auch Lieferanten auf die Begleichung ihrer Rechnungen warteten interessiert ja keinen. Hauptsache der Kontoauszug der Betze-Anleihe weist ein Plus aus. Ähnlich wird es wohl mit dem Vereinsvermögen per 31.12.2015 ausgesehen haben. TV-Gelder im Plus. Rechnungen noch nicht eingebucht – kann man ja im Januar auch noch in den Dezember buchen. Dann hier und da noch ein paar Euro an unerwarteten Einnahmen, Hey – Abgrenzungen olé – wir sind kreativ und das im Rahmen des Erlaubten.

Ja, stimmt. Das vermute ich alles wieder nur. Aber weshalb untersagt ein Aufsichtsrat einen Spielerkauf im Januar, wenn es uns doch finanziell gut geht? Warum werden Mitgliedern der Ordnungsabteilung die Mitgliedsbeiträge rückwirkend abgezogen? OK, wir stehen auf einem soliden Fundament – so stand es in der Rheinpfalz geschrieben. So etwas ähnliches sagte auch der Architekt des Turms in Pisa. Der Rest ist Geschichte.

Nun denn, habe ich mich in den letzten Jahren denn wirklich so geirrt? Es gibt Gerüchte, wonach der neue Finanzvorstand Michael Klatt eine Zwischenbilanz per 31. März 2016 aufgestellt hat. Weiter geht das Gerücht um, dass diese nicht ganz der Erwartung entspricht. Letztlich gibt es das Gerücht, dass dieser Finanzstatus den Michael Klatt bei seinem offiziellen Amtsantritt am 1. April vorgefunden hat publik gemacht werden soll. Unabhängig davon warte ich schon seit dem 31. März auf das neue Mitgliedermagazin in dem ja Prinz Charming einen “Bericht über die wirtschaftliche Situation” des 1. FCK – so steht es in unserer Satzung – veröffentlichen muss. Dieses Magazin ist überfällig und der wirtschaftliche Bericht, den unsere Satzung fordert, soll quartalsweise erfolgen. Also Herr Riesenkampff, wo bleibt der Bericht?

Mein Misstrauen gegenüber den bisherigen Zahlenwerken bleibt nach wie vor bestehen. Darüber hinaus sehe ich bei der Hofgazette Rheinpfalz ein tiefe Trauer über den Wegfall von Kontakten. Wird diese Trauer in Zukunft bewältigt? Vielleicht kann ja die Rheinpfalz bei Fritz Grünewalt anfragen, ob dieser als Trauerberater zur Verfügung steht. Zwar würde das nur gegen eine finanzielle Entschädigung gehen, aber Herr Grünewalt ist ja jetzt wieder beratend unterwegs. Da lässt sich bestimmt was einrichten.

Es darf gespannt auf die Veröffentlichung der Zahlen per 31. März 2016 gewartet werden. Und eine Bitte an alle die sich dann über die vermutlich schlechteren Zahlen aufregen und sie der aktuellen Führung in die Schuhe schieben wollen – Nein, das war noch das Werk von Stefan Kuntz und Fritz Grünewalt. Den Wohltätern des Vereins. Weder der Aufsichtsrat noch die neuen Personen Gries, Klatt und – kommissarisch und ehrenamtlich (sprich für umme) – Abel sind dafür verantwortlich.

Persönlich wünsche ich mir, dass die neuen Vorstände verstehen um was es beim 1. FC Kaiserslautern wirklich geht. Als kleiner Tipp an Herrn Gries der Hinweis, dass wir keine “Kunden” sind und keiner “Marke” hinterherlaufen die “Uniqueness” verspricht. Wir sind “Fans” des “1. FCK” der zahlreiche Alleinstellungsmerkmale besitzt und damit an Einmaligkeit unübertroffen ist.

Auf geht’s – viel Erfolg!