Von Seilschaften, Filz und Hängepartien

Ein in letzter Zeit selten gesungenes Lied der Westkurve am Ende eines Spiels lautet “Drum sagen wir, Auf Wiedersehen …”.

Am kommenden Samstag wird Fritz Grünewalt, Vorstand für Finanzen, Unternehmensentwicklung und IT, seine letzte Mitgliederversammlung als Vorstandsmitglied auf dem Podium erleben. Zeit, ein wenig zu bilanzieren und darüber nachzudenken, wie Fritz Grünewalt denn in die Position des Vorstands gekommen ist, welche Erwartungen damit verknüpft waren und was am Ende übrig bleibt.

Starke Seilschaften

Derzeit existieren zwei Anträge, die sich unabhängig voneinander mit dem Vorstand für Finanzen, Unternehmensentwicklung und IT auseinander setzen. Es geht um die Nichtentlastung von Fritz Grünewalt und seinen möglichen Verstrickungen in Vetternwirtschaft.

Geht man fünf Jahre zurück in das Jahr 2010 so stellt sich schon die Frage, wie es Fritz Grünewalt überhaupt dazu gebracht hat, Finanzvorstand des 1. FC Kaiserslautern e.V. zu werden? Was waren seine Qualifikationen, was waren seine bisherigen Stationen?

Sind es die wahrscheinlich recht engen Verknüpfung auf politischer Ebene? Arbeitet doch Stefan Beck, Sohn von Kurt Beck, ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Ehrenmitglied des 1. FCK, in der Anwaltskanzlei Lütz-Binder, eben der Ehefrau von Fritz Grünewalt. Auf den ersten Blick zunächst unverfänglich und problemlos.

Das Unternehmen Trans-Marketing GmbH, welches von Fritz Grünewalt gegründet wurde und ihm den Ruf als “erfolgreichem Unternehmer” einbrachte, wurde mit Geldern der VcS – Venture Capital Südpfalz Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mbH, einer Wagniskapitalgesellschaft der ISB – der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz – unterstützt. Die damalige Beteiligung von ca. 12% am Stammkapital und hohe Einlagen in die Kapitalrücklage ist sicher nicht aufgrund des negativen Eigenkapitals der Gesellschaft befürwortet worden. Waren es die Ehrungen und Fürsprachen durch Personen wie Hans-Artur Bauckhage – jedem FCKler noch als der Mann mit dem “scheuen Reh” bekannt – beim Öffnen so mancher Tür?

Eine neue Firma wird dann im Frühjahr 2008 gegründet, die OF Consulting GmbH.
Diese Firma wird im Jahr 2009 für die “Herzblut-Kampagne” ausgezeichnet, die zu Saisonende 2008 dazu führte, die Massen für den Endspurt zum Klassenerhalt des 1. FCK zu mobilisieren. Bis heute sind Fritz Grünewalt und Marco Stenger Gesellschafter dieser Firma. Diente diese Kampagne als “Türöffner”, um Fritz Grünewalt in die Vorstandsetage des 1. FC Kaiserslautern e.V. zu hieven?

Zwar war diese Kampagne eine Marketing-Aktion und der Posten den es im Frühjahr 2010 im Verein zu besetzen galt war der des Finanzvorstands, da Dr. Ohlinger als ehrenamtlicher Finanzvorstand seinen Posten zur Verfügung stellte. Ob und in welchem Umfang in den Bewerbungsunterlagen von Fritz Grünewalt auf die Position des Finanzvorstands eingegangen wurde und mit welchen herausragenden Qualifikationen er sich für diesen Posten empfohlen hat, wissen außer dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz, nur die damaligen Aufsichtsratsmitglieder und Fritz Grünewalt.

Damals schien es, als ob es keine klare Mehrheit für Fritz Grünewalt im, zu diesem Zeitpunkt, sechsköpfigen Aufsichtsrat gibt. Jedenfalls dauerte die Konklave recht lange und es bedurfte wohl, wenn man einem Schriftstück Glauben schenken mag, einer deutlichen Ansage von Stefan Kuntz, um den Aufsichtsrat zu “überzeugen”, dass Fritz Grünewalt der Richtige für den Posten sei.

Am Ende wurde aus dem Titel Finanzvorstand das Konstrukt “Vorstand für Unternehmensentwicklung” im Sommer 2010 geboren und somit dem Willen von Stefan Kuntz im Aufsichtsrat offenbar nachgegeben. Es müssen damals wohl recht deutliche Ankündigungen gewesen sein, die andere Bewerbungen ins Aus katapultierten.

Somit war nun Fritz Grünewalt in der Position als Vorstand für Unternehmensentwicklung. Als viel gelobter Marketingspezialist war er allerdings nicht für das Marketing zuständig. Dieses ist, bis heute, das Ressort von Stefan Kuntz.

 

Die Verfilzung der Geschäftsstelle

Vergleicht man die Geschäftsstelle des Jahres 2008, als Stefan Kuntz sie übernahm, mit heute so fällt auf, dass bis auf wenige Ausnahmen alle Personen ausgetauscht wurden.

Dieser Wandel vollzog sich auch mit einer Veränderung der Personalkosten. So haben sich die Ausgaben der Saison 2009/2010 für den Bereich “Verwaltung und Sonstige” bis in die gerade abgelaufenen Saison nahezu verdoppelt.

Gerne wird im Umfeld des Vereins mit dem Argument der “Vetternwirtschaft” um sich geschlagen und mit dem Totschlagargument “man hole sich eben vertrauensvolle Personen in sein Umfeld” geantwortet. Das ist solange akzeptabel, solange es faire Auswahlprozesse gibt und dabei nicht Personen bevorzugt werden, deren Qualifikation nicht dem anderer Bewerber entspricht. Auffällig ist aber schon, dass mit Fritz Grünewalt, Jessica Kramer (damals Kling) – heute verheiratet mit dem Chef der FCK Gastro Andreas Kramer – als Vorstandsassistenz an Bord kam. Etwas mehr als 14 Monate nach der Aufnahme seiner Tätigkeit als “Unternehmensentwickler” berief Fritz Grünewalt seinen guten Freund Marco Stenger als Geschäftsführer. Auch hier riecht es nach Kungelei, folgt man einigen Vorwürfen in den gestellten Anträgen, so war er im Vorfeld seiner Geschäftsführertätigkeit bereits als “freier” Unternehmensberater im Verein unterwegs. Was tut man nicht alles für gute Freunde.

Schritt für Schritt wandelte sich so im Laufe der Zeit die Geschäftsstelle zu einem Kuntz & Grünewalt Freundeskreis-Beschäftigungskarussell.

 

Die Hängepartien des Vereins

Ursprünglich war ja geplant, den Verein finanziell zu konsolidieren und auf gesunde Beine zu stellen. Das mit dem erklärten Ziel “den Verein mittelfrisitig im Mittelfeld der höchsten deutschen Spielklasse zu etablieren” – so steht es im Jahresabschluss Saison 2009/2010 zu lesen -. Davon ist der 1. FC Kaiserslautern heute gefühlte Lichtjahre entfernt. Im Gegenteil. Wir erhoffen uns gerade – hoffentlich – im Mittelfeld der zweiten Liga zu etablieren.

Dazu führen die extrem klammen Kassen des Vereins. Im Grunde unbegreiflich, ist doch der Umsatz gegenüber 2008 von 22 Mio Euro auf 42 Mio Euro gestiegen. Satte 20 Mio Euro mehr Umsatz gegenüber der Katastrophensaison 2007/2008. Am Ende bleiben aber gerade mal knapp 800.000 Euro auf der Gewinnseite. Dieses Geld entspricht ziemlich genau dem Nachlass an der Stadionmiete, die gerade mit dem neuen Pachtvertrag ausgehandelt wurde. Wird sich der 1. FCK bei der Stadt Kaiserslautern bedanken, dass ein Gewinn ausgewiesen wird?

Wo landet das ganze Geld? Wenn ein Unternehmen 20 Mio mehr Umsatz generiert, die Personalkosten für das eigentlich für den Umsatz verantwortliche Personal – die Lizenzspieler – aber nur um 4 Mio ansteigt, wird scheinbar irgendwo immenses Geld “verbrannt”. Fragt man hierzu unseren Finanzvorstand, wird nur herumlamentiert und mit wilden Powerpoint-Präsentationen durch Äpfel und Birnen Vergleiche auf der JHV die Masse verwirrt. Die Ausgaben in allen Bereichen steigen kontinuierlich an.

Bei der Präsentation der “Betze-Anleihe” im Jahr 2013 wurde von “seriösen wirtschaften” und  einer konsolidierten Finanzlage gesprochen. Sowohl der Aufsichtsrat als auch der Finanzvorstand verkünden Jahr für Jahr unisono die tolle Finanzsituation. Der Blick in den Jahresabschluss und die Frage nach dem Verbleib so mancher Million (Stichwort Verkäuferdarlehen) oder der Verwendung der Betze-Anleihe zur Deckung von Liquiditätsengpässen wird von Prof. Rombach anfänglich widersprochen (in der Sendung Flutlicht am 23.9.2013), um dann auf der JHV zurückzurudern und von dem Stress einer Live-Sendung zu sprechen. Dementsprechend wird auf die neuen Cash-Managment-Systeme hingewiesen und dass die Gelder der Betze-Anleihe jederzeit zur Verfügung stehen. Fragen dazu werden brüsk abgewehrt oder aber dermaßen verklausuliert beantwortet, dass der eigentliche Sinn der Frage “Was ist mit dem Geld” überhaupt nicht mehr zum Tragen kommt.

Es hat den Anschein, dass seit Beginn der Amtszeit von Fritz Grünewalt der 1. FC Kaiserslautern über seine Verhältnisse lebt. Ja, es ist keine einfache Zeit gewesen. Da waren Steuerrückzahlungen fällig, die in den Zeitraum lange vor Beginn seiner Amtszeit fallen. Aber es waren auch zwei Jahre erste Liga dabei, die zwar Gewinne erwirtschafteten, die es jedoch nicht schafften, das negative Vereinsvermögen zu tilgen und wieder Werte zu schaffen. Und zwar solche Werte, die als Sicherheit dienen können ohne dass dafür eine Anleihe bei den Fans aufgenommen werden muss.
Der 1. FCK wirkt unter dem Finanzvorstand Fritz Grünewalt nur noch ein Schatten seiner selbst. Finanziell angeschlagen, kaum noch in der Lage selbst zu agieren und zum reagieren verdammt dümpelt er im Mittelfeld der zweiten Liga vor sich hin. Die einst so stolze “Unzerstörbar” hat starke Schlagseite bekommen und der Kassenwart hat scheinbar Probleme, die Mannschaft zu bezahlen, um den rettenden Hafen “erste Liga” zu erreichen. Der Etat der Lizenzspieler in der Aufstiegssaison 2009/2010 war ziemlich identisch mit dem der vergangenen Saison. Erinnert man sich an die damalige Saison reibt man sich verwundert die Augen, wenn man dazu Vergleiche anstellt.

Was wurde in den vergangenen Jahren im Verein “entwickelt”? Die ursprüngliche Aufgabe von Fritz Grünewalt? Aus heutiger Sicht wohl in erster Linie ein Verwaltungsapparat mit zahlreichen externen Beratern und hohen Kosten.

 

Fazit

Wir werden auf der diesjährigen Hauptversammlung erleben, wie Fritz Grünewalt geehrt wird, wie auf seine Erfolge verwiesen wird und wie auf den Personen, die das in Frage stellen herumgehauen wird. Wir, die Undankbaren. Die immer alles schwarz malen und keine Ahnung von den komplexen Prozessen haben, die sich in einem Bundesligisten – sorry Zweitligisten – so abspielen. Das komplexe Lizenzierungsverfahren können wir “einfachen Fans” ja gar nicht beurteilen. Und einen Jahresabschluss, den schließlich Experten wie Wirtschaftsprüfer, Controller, Kassenprüfer (*lach*) und Buchhalter erstellen, wie kann ein einfacher Fan den denn hinterfragen oder gar anzweifeln?

 

Fritz Grünewalt, ich war skeptisch als ihr Name das erste Mal fiel, ich bin es nach wie vor. Aus meiner Sicht ist ziemlich genau das eingetreten was ich befürchtet habe. Wir haben Geld ohne Ende verbrannt und es bleibt am Ende nichts übrig. Hoffen wir, dass wir in Zukunft eine bessere, ehrlichere und vor allem transparentere Finanzpolitik bekommen.

 

“Drum sagen wir, Auf Wiedersehen …”