… und es hat rumms gemacht

Es war einmal …

der Funke Hoffnung, dass eine Einzelentlastung mit Werten von 61,1% und 58,3% für den Vorstand des 1. FC Kaiserslautern als das verstanden wird was sie ist. Ein deutliches Signal in Richtung des Vorstands das Vertrauen zu den Mitgliedern wieder herzustellen und die Abgehobenheit mit der in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren die Distanz zu den Mitgliedern des Verein vergrößert wurde, wieder auf Normalniveau zu bringen.

Es war einmal der Funke Hoffnung, dass auch beim Aufsichtsrat die Erkenntnis gedeihen möge, dass Entlastungen im Bereich von 60-70% (Steinebach (07.14-12.14) und Riesenkampff) schon deutlich darauf hinweisen, dass im Vertrauensverhältnis zwischen Mitgliedern und Aufsichtsrat offenbar einiges nicht stimmt. Noch schlimmer wird es, wenn die Werte zwar faktisch einer Entlastung entsprechen, aber beim Prozentsatz eine fünf an erster Stelle steht. Waren es bei Gerhard Theis “noch” 57,5% der anwesenden Mitglieder, so kann Ottmar Frenger mit 50,2% (380 zu 377 Stimmen) im Grunde nur durch diese hauchdünne Mehrheit auf dem Podium sitzen bleiben. Über seinen Spitznamen in Zukunft darf sicherlich spekuliert werden.
Aber ist das wirklich eine vernünftige Vertrauensbasis? Abgesehen von der Nicht-Entlastung des Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Rombach mit 67,2% NEIN-Stimmen, ist doch ein gehöriger Knall durch die Halle-Nord am 12. Dezember 2015 gefegt. Lag es wirklich nur an 50.000 Euro für Feng-Shui? An der schlechten Vorbereitung von Prof. Rombach, in der er letztlich keinen Finanzstatus per 30. November oder 31. Oktober geben konnte obwohl er dazu gemäß unserer Satzung verpflichtet ist und es nie tat? Lag es an den “Krischern”, also den Schreihälsen die, wenn man dem aktuellen Presse- und Medienecho folgt, unterhalb der Gürtellinie attackierten? Lag es, wie es Prof. Rombach an seinem “Day after” in der SWR-Sendung Flutlicht so schön nannte, der “schweigenden Mehrheit” die einfach nicht zu einer Mitgliederversammlung erscheint? Lag es an den vielen “Alten”, die durch die langen Redezeiten von maximal zehn Minuten pro Redner zum Heimgehen “gezwungen” wurden? War das alles ein abgekartetes Spiel? Gab es doch eine Opposition?

Zu viele Fragen und zu wenig Antworten.

Davon, dass Aufsichtsrat und Vorstand vier Stunden referierten und damit, bedingt durch die eigene spätere Ansetzung auf 15:30 – bei der ursprünglichen Einladung wurde ein Beginn von 13 Uhr angekündigt – lag man nun schon im Bereich des Abendprogramms. Es war also definitiv nicht die, im übrigen erst durch Antrag, verlängerte Redezeit auf maximal 10 Minuten, die so viele Leute heimgehen ließ. Wobei, wieviel Personen waren das eigentlich? Die letzte Meldung über stimmberechtigte Mitglieder war um 15:57 Uhr und da waren es 1.029. Zum Zeitpunkt der Abwahl von Prof. Rombach um 22:50 waren es noch mehr als 750. Selbst wenn keine Person gegangen wäre und alle diese Personen ihn entlastet hätten, so wäre Prof. Rombach dennoch nicht entlastet worden. Dem Herrn Professor fehlt da irgendwie der Bezug zur Realität. Da kann sich Ottmar Frenger mit seinen drei Stimmen so richtig wohl fühlen.

Warum dieses Misstrauensvotum?

Im Grunde ist es recht einfach. Wenn sich Vorstand und Aufsichtsrat einen feuchten Kehricht um die Satzung des Vereins kümmern und regelmäßig diese ignorieren oder sehr weiträumig auslegen, dann wird das nach und nach zu einem Vertrauensverlust führen. Nachträglich abge”nickte” Zahlungen für Feng-Shui sind da nur ein Tropfen. Aber wohl einer der das Fass überlaufen ließ. Nahezu 610.000 Euro sind von der Vereinsführung in der Saison 2014/2015 an externe Berater geflossen. Der Aufsichtsrat hat dieser Summe zugestimmt. Ob vor der Beauftragung oder erst, wie im Feng-Shui Fall, im Nachhinein – was einen Verstoß gegen unsere Satzung darstellt – bleibt offen. Alleine 72.000 Euro für die Begleitung der JHV und die Überprüfung der Ergebnisse des Satzungsausschusses an eine Anwaltskanzlei. Abgesehen von dem Umstand, dass im Satzungsausschuss drei “Volljuristen” sitzen und die Vergabe ohne Beauftragung durch den Satzungsausschuss “mal einfach so” erfolgte, ist das Ergebnis der Prüfung und Beratung – worüber sicher erneut Rechnungen gelegt wurden, denn die eigentliche Arbeit erfolgte erst nach dem 1. Juli 2015 – eher marginal. Denn wirkliche Flops waren nicht in dem erarbeiteten Entwurf der Satzung enthalten.

Wenn sich der – ehemalige – Aufsichstratsvorsitzende darüber echauffiert, dass man für den Aufwand der betrieben werden muss, um Gerüchten und Anschuldigungen entgegen zu treten durchaus zwei oder drei Spieler mehr geholt werden könnten, dann zeigt es, wie weit sich die Vereinsführung (Vorstand und Aufsichtsrat) von den Mitgliedern und den Meinungen der Fans entfernt haben. Woher kommen denn solche Gerüchte? Was ist denn der Grund für diese auftauchenden Behauptungen? Eine Politik der Abschottung, der “schwarzen Löcher”, der Geheimniskrämerei führt zwangsläufig in die Ecke der Interpretation. Dem Lesen zwischen den Zeilen. Dem Zusammenreimen. Wenn ein Aufsichtsratsvorsitzender in einer Live-Sendung sagt, dass das Geld der Betze-Anleihe nicht angetastet würde und ausschließlich für den Ausbau des “Fröhnerhofs” bereit stünde, auf Nachfragen während er JHV aber einräumen muss, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits wusste, dass Gelder zur Deckung von Liquditätsengpässen verwendet wurden, dann fördert das nicht gerade das Vertrauen in Aussagen aus diesem Gremium. Zumal Prof. Rombach mal sagte, dass der Aufsichtsrat nur mit einer Stimme spricht, mit seiner. Warum? Was machen die restlichen vier Personen in diesem Gremium? Still dasitzen? Warum dürfen sie ihre Meinung nicht kundtun, wenn sie eine andere ist?

Der Aufsichtsrat, der immer wieder betont, wie finanziell stabil der 1. FCK mittlerweile aufgestellt sei. Wie erfolgreich das neue Pachtmodell für die Zukunft, auch in der zweiten Liga, ist. Wurde in diesem Zusammenhang nicht davon gesprochen, dass dieses neue Pachtmodell die langfristige Planung ermöglicht und damit einer sicheren Zukunft, auch in der zweiten Liga zuträglich ist?

Das langfristige Pachtmodell …

Wie kann dieser neue Pachtvertrag “langfristig” ausgelegt sein, wenn bereits nach etwas mehr als drei Jahren der Zweitligazugehörigkeit, unter den aktuellen Voraussetzungen, der Vertrag neu verhandelt werden oder die volle Pacht in Höhe von 3,2 Mio Euro an die Stadiongesellschaft gezahlt werden muss? Darüber hinaus dürfen sich die Einwohner von Kaiserslautern mal fragen, wie es denn sein kann, dass die Pachtreduzierung aus dem Verkauf des Grundstücks Fröhnerhof “refinanziert” wird? Also die Stadt verkauft ein Grundstück an den 1. FC Kaiserslautern. Dieser zahlt dafür 2,6 – mit Nebenkosten 2,8 – Millionen Euro an die Stadiongesellschaft. Diese 2,8 Millionen werden in einen Topf geworfen und aus diesem werden nun die geringere Pacht für die Zweitligazugehörigkeit “entnommen”, bis der Topf leer ist. Im Grunde hat die Stadiongesellschaft den Fröhnerhof für 2,8 Mio verschenkt wenn der 1. FCK für 3,5 Jahr in der zweiten Liga bleibt. Wobei eine Saison ( 2014/2015) ist schon rum. Langfristigkeit sieht für mich anders aus. Planbar? Ja, für Fritz Grünewalt, der zum 31. März 2016 geht und vielleicht sogar für Stefan Kuntz, dessen aktueller Vertrag bis zum 31. Dezember 2017 läuft. Aber was ist danach? “Mir doch egal”? Diesen Rucksack schnürt der Vorstand, mit Wissen des Aufsichtsrats, dem künftigen Vorstand. Wurde das offen oder gar transparent den Mitgliedern erläutert? Nein!

Noch so ein Fall ist die Geschichte mit dem EU-Gutachten. Es wurde aus allen Wolken gefallen, als im März 2014 der Bund der Steuerzahler darauf aufmerksam machte, dass man wohl prüfe ob es mit dem EU-Beihilferecht vereinbar ist, was da zwischen Stadt (Stadiongesellschaft) und Verein (1. FCK) verhandelt wurde bzw. verhandelt wird. Diese Geschichte wurde, wenn man mal nachliest, Anfang März 2014 zum ersten Mal durch die Medienlandschaft getrieben. Interessanterweise wurde jedoch bereits während der Stadtratssitzung vom 24. Februar 2014, also mindestens 14 Tage vor der ersten medialen Erwähnung, über das Thema EU-Beihilfen gesprochen. Bei dieser Sitzung waren sowohl Stefan Kuntz als auch Fritz Grünewalt anwesend. War es doch die entscheidende Sitzung bei der das neue Pachtmodell und der Rückkauf Fröhnerhof beschlossen werden sollte. In der Niederschrift dieser Sitzung heißt es

“In der weiteren Beratung wird insbesondere die EU-Beihilfeproblematik diskutiert. Aus den Reihen des Stadtrates wird gefordert, unabhängig von der heutigen Beschlussfassung ein Rechtsgutachten hierzu einzuholen.”.

Das zeigt, dass hier durchaus das Thema schon diskutiert wurde und sowohl Stefan Kuntz als auch Fritz Grünewalt diese Problematik bekannt gewesen sein muss. Es ist natürlich leichter, nach außen so zu tun, als ob das alles an den Haaren herbeigezogen sei.

Dieses gesamte Konstrukt des neuen Pachtvertrages lässt zahlreiche Fragen offen. So auch, warum keinerlei Vereinbarung über die Höhe des Pachtzins in der dritten Liga enthalten ist. Wie bereits bei der ersten Pachtvereinbarung, als man die Zugehörigkeit zur ersten Liga quasi als geborenes Recht betrachtete und eine Vereinbarung über die Zahlung bei einem Abrutschen in die zweite Liga nicht im entferntesten in Betracht zog, verschloss der aktuelle Vorstand, mit Wissen des Aufsichtsrats, wohl die Augen vor einem möglichen Abstieg in die dritte Liga. Ein Antrag auf der JHV, der diese Frage formulierte wurde in dieser Hinsicht leider nicht vollständig beantwortet, auch wenn die Pressemeldung auf die vollständige Beantwortung aller Fragen hinweist.

Um es zu verdeutlichen: Der aktuelle Pachtvertrag zwischen der Stadiongesellschaft und dem 1. FC Kaiserslautern sieht vor, dass die Zahlung des Kaufpreises für den Fröhnerhof dazu dient, die Minderpachteinnahmen (800.000 Euro bei Zweiligazugehörigkeit) zu verrechnen. Solange der Kaufpreis im Pachtzinstopf ist, funktioniert das. Wenn der Topf leer ist muss nachverhandelt werden oder der volle Pachtzins (3,2 Millionen) werden fällig, unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

Der Ordnung halber sollte erwähnt werden, dass bei Zugehörigkeit zur ersten Liga die Mehreinnahmen von 400.000 Euro (3,6 Mio Pacht) ebenso in den Topf wandern, wie Zusatzeinnahmen beim Erreichen des Halbfinales des DFB Pokals (250.000) oder des Finales des DFB Pokals (500.000 Euro). Daneben werden Zusatzleistungen fällig, wenn Kenngrößen der Zuschauerzahl überschritten werden (1. Liga 42.000 = 400.000 Euro, 2. Liga 34.000 = 200.000 Euro). Der Pachtzinstopf (genannt Pachtzinspool) ist jedoch bei 4 Millionen Euro gedeckelt. Das verschafft dem 1. FC Kaiserslautern maximale Planungssicherheit in der zweiten Liga von fünf Jahren! Wer da auf den Gedanken kommt, das sei langfristig, der hat wohl die Lebenserwartung einer Eintagsfliege. Ist das die so oft beschworene Nachhaltigkeit?

Es gäbe noch so viele Dinge, die man anhand der aktuellen Zahlen und Antworten aufführen könnte um zu demonstrieren, wie abgehoben die Vereinsführung offenbar ist. Wenn sich ein Fritz Grünewalt zum Beispiel hinstellt und sagt, der SportFive Vertrag, der 2008 ausgehandelt wurde wäre schlecht und völlig unterbezahlt gewesen. Wer hat den Vertrag denn ausgehandelt?

FCK_JHV_2015 - 1Solche Dinge, die bewusst oder im günstigsten Fall sogar unbewusst, ausgesagt werden zeugen davon, für wie dumm man offenbar die Mitglieder einschätzt. Wer dem Vorstand, der Geschäftsführung und offenbar zahlreichen Mitarbeitern der Geschäftsstelle den Eindruck vermittelt, dass Mitglieder strunzdumm und ständig besoffen sind, weiß ich nicht. Das kann ich nur vermuten, da sich einige der Personen genau so verhalten, als seien sie etwas “Besonderes”. Sie sind letztlich “nur” Angestellte des Vereins. Und der Verein besteht aus seinen Mitgliedern. Das höchste Organ des Vereins ist die Mitgliederversammlung und die hat am 12. Dezember 2015 (irgendwie ist der 12.12. ein Fußballaffines Datum) kräftig gelbe und rote Karten verteilt. Zwar nur an den Vorstand und den Aufsichtsrat, jedoch sollte sich jeder Angestellte mal durch den Kopf gehen lassen, was dazu führte.

Es war einmal … die Hoffnung, dass “die da oben” was dazu gelernt haben. Haben sie das?
… und es hat rumms gemacht!