Götterdämmerung am Betzenberg?

Die Geschichte mit dem Trainerwechsel heute ist, aus meiner Sicht, nur die Spitze eines Eisbergs. Oder anders ausgedrückt, nur die ersten Erschütterungen die sich seismisch messen lassen bevor es zu einem Vulkanausbruch größeren Ausmasses kommt. Um diese Überlegungen zu verstehen sollte man jedoch erst einmal ein wenig in die Tiefen des 1. FC Kaiserslautern eintauchen und die unterschiedlichsten Vorgänge betrachten, über die mehr und mehr an die Öffentlichkeit dringt. Teile davon fallen noch in die Kategorie „aus gut informierten Kreisen“, andere sogar noch „Gerüchteküche“, manches jedoch bereits als „gesicherte Erkenntnis“.

Beginnt heute also die Götterdämmerung am Betzenberg?

Rolling Devils

Auch wenn es offenbar überhaupt nichts mit der Trainerentlassung zu tun hat, so offenbart die Geschichte rund um die Rolling Devils doch, was derzeit auf dem „Berg“ so passiert und wo es offensichtlich klemmt.
Da wird einer Abteilung des 1. FC Kaiserslautern, die erfolgreich in der Bundesliga der Rollstuhl-Basketballer spielt von der Vereinsführung nahegelegt, doch einen eigenen Verein zu gründen. Der 1. FC Kaiserslautern stellt sich hier gerne als „Logo-Partner“ zur Verfügung.

Wie soll man das bewerten? Eine Abteilung, die erst 2011 in den Verein integriert wurde im ersten Jahr der Bundesligazugehörigkeit wieder rauszuwerfen? Als nun bekannt wurde, dass der neu gegründete Verein mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat und diese wohl aus Steuer- und SV-Nachzahlungen resultieren sollten eigentlich überall sofort die Alarmglocken anspringen. Ein am 12. August 2015 im Vereinsregister eingetragener Verein kämpft mit Steuer- und SV-Zahlungen in fünfstelliger Höhe. Einem Bericht der Rheinpfalz vom 19. September 2015 nach wohl in Höhe von 55.000 Euro.

Dem gleichen Bericht zufolge soll es sich bei diesen Beiträgen wohl um das Ergebnis einer Steuerprüfung beim 1. FC Kaiserslautern handeln. Wenn das so ist, so wäre die Gründung des neuen Vereins aus der Abteilung „Rolling Devils“ offensichtlich ein Ergebnis der mangelhaften Kontrolle und Buchhaltung beim 1. FCK. Denn eine Steuer- und SV-Nachzahlung in dieser Höhe für einen Zeitraum von knapp vier Jahren bedeutet schon, dass hier erheblich geschlampt wurde. Was ebenfalls überrascht ist der Umstand, dass hier keine Ratenzahlung mit dem Finanzamt und den SV-Trägern vereinbart wurde. Denn im Grunde sind diese Institutionen über jeden Euro froh, den sie erhalten. Da kommt es nicht auf ein paar Monate oder Jahre an.

Wenn nun also der neu gegründete Verein der Rolling Devils vertraglich zur Übernahme der Steuer- und SV-Nachzahlungen gezwungen wurde und dort keine Ratenzahlungen vereinbart wurden, so grenzt dieses Vorgehen schon an absichtlicher Vernichtung dieser Abteilung. Abgesehen von den offenbar fehlenden Kontrollmechanismen der Gehaltsbuchhaltung, wo ist der Aufsichtsrat der die Empfehlung zur Ausgliederung der Abteilung zulässt? Wenn es stimmt, dass die Belege für die Buchhaltung jeglicher kaufmännischer Grundlage entbehren, wo waren die Kassenprüfer/Rechnungsprüfer die diese Mängel aufdecken? Letztlich darf durch diese Umstände auch gefragt werden, ob hier nicht unter Umständen strafrechtliche Konsequenzen drohen?

Nachwuchsleistungszentrum

Gut, kommen wir zu den Themen mit fußballerischen Inhalten. Wie bekannt ist, wurde Ende Juni der Vertrag zum Rückkauf des Nachwuchsleistungszentrum „Fröhnerhof“ mit der Stadiongesellschaft unterschrieben und damit, rechtzeitig vor Ablauf der Frist, der neue Stadionpachtvertrag in Kraft gesetzt. Die Zahlung des Betrags in Höhe von 2,6 Mio Euro kam zwar etwas „verzögert“ bei der Stadtverwaltung an, aber das sei nur eine Randnotiz. Vielleicht war ja das Geld der Betze-Anleihe doch nicht jederzeit in vollem Umfang verfügbar und musste erst durch Zahlungen der Ablösesummen von Orban oder Heintz „aufgefüllt“ werden.

Wichtiger in diesem Zusammenhang erscheint mir jedoch die Meldung, die mich gestern erreichte und die den heute stattfindenden Trainerwechsel in ein völlig neues Licht rückt.
Man hat  offenbar bei der, am vergangenen Montag stattgefundenen, Aufsichtsratssitzung beschlossen die U23 ab der kommenden Saison aufzulösen. Berichten zufolge wurde den Spielern der U23 empfohlen, sich nach neuen Vereinen umzusehen. Wenn an dieser Information etwas Wahres dran sein sollte – mehrere Quellen haben mir diese Information zwischenzeitlich bestätigt – dann bedeutet das, dass man von der Ausrichtung als „Ausbildungsverein“ offenbar Abstand nimmt, weil man es finanziell nicht mehr stemmen kann. Andere Vereine, die ihre Zweitvertretung seit der letzten Saison nicht mehr antreten lassen, haben zumindest genau damit argumentiert.

Wenn nun also der, anerkanntermaßen erfogreiche, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und Trainer der U23 zum „Cheftrainer“ der Lizenzmannschaft ernannt wird und die U23 zum Saisonende „eingestampft“ wird, was wird dann aus dem NLZ „Fröhnerhof“? Konrad Fünfstück hat aus dem brachliegenden Nachwuchszentrum ohne Sterne in kürzester Zeit wieder ein angesehenes, mit fünf Sternen ausgezeichnetes NLZ gebaut. Er ist in diesem Bereich hoch angesehen. Nun wird er für die Profi-Mannschaft eingesetzt und riskiert, dass er eines Tages, den Gesetzen des Fußballs folgend, gehen muss. Was wird dann aus dem Fröhnerhof? Was aus den Konzepten? Was aus dem Geld der Betze-Anleihe?

Aus meiner Sicht bahnt sich hier die nächste Katastrophe an. Der Bereich, der als „Cash-Cow“ des Vereins dienen sollte, wird nun geopfert, um die Fans zu beruhigen? Wie kann der Aufsichtsrat der Einstellung der U23 zustimmen? Wo sind die Aufsichtsräte, die auf die Jugend setzen? Sind die Aussagen von Herrn Rombach aus dem Jahr 2014 hinfällig? Wo ist sein Statement?

Wenn das NLZ „Fröhnerhof“ zukünftig „nur noch“ bis zur U19 gilt und Konrad Fünfstück als Cheftrainer der Lizenzmannschaft „verheizt“ wird, wer übernimmt dann die Führung des NLZ? Wer sorgt für den kontinuierlichen Strom an Nachwuchskräften für den Profikader? Wo werden diese jungen Spieler an die Profi-Mannschaft herangeführt, wenn nicht in der Regionalliga?

Update 9. Oktober 2015 13:00

Mit der Meldung des 1. FC Kaiserslautern von gestern (8. Oktober 2015) widerspricht der Verein deutlich dem obigen Text. Mit diesem, doch sehr deutlichen, Statment -> Text des 1. FCK <- wird deutlich gemacht, dass Gedanken oder gar Entscheidungen zur Auflösung der U23 jeglicher Grundlage entbehren.

Wörtlich heißt es:

 Eine Auflösung der U23 ist beim 1. FC Kaiserslautern kein Thema.

Das ist doch mal eine klare Ansage!

Ende des Updates

Vorstand

Derzeit geht es nur noch drunter und drüber in der Vorstandsetage des 1. FC Kaiserslautern.

Der Vertrag von Fritz Grünewalt wurde nicht verlängert. Aus seiner Sicht, weil er Vater geworden ist. Böse Zungen behaupten, weil eigentlich Ansgar Schwenken auf den Posten sollte. Dieser aber machte dem Aufsichtsrat offenbar die lange Nase und ging zur DFL. Offenbar hat er bei der Analyse der internen Prozesse, die ja letztlich Steuerersparnisse in der Höhe seiner Einkünfte generieren sollten, Dinge entdeckt die ihn lieber das Weite suchen lassen, anstatt sich in die Haftung für so manche Entscheidung nehmen zu lassen.

Aber damit nicht genug. Es gibt, mehr oder weniger verdichtete Gerüchte, dass sich sogar Stefan Kuntz, Mr. Herzblut himself und Herr „ich lebe und sterbe für diesen Verein“, beim FC Nürnberg um einen Vorstandsposten beworben haben soll. Ebenso soll es zu Treffen zwischen ihm und Martin Kind, selbsternannter Sonnenkönig von Hannover 96, gekommen sein. Dabei soll es nicht um Hörgeräte gegangen sein. Sind wir bösen Fans jetzt zu weit gegangen und Stefan Kuntz hat die Nase voll? Oder sind unsere Kassen schon so leer, dass es für den Lebensstil nicht mehr reicht?

Update – 14:20 – 23.9.2015

Bei der Pressekonferenz zum Trainerwechsel wurde Stefan Kuntz zu den beiden Bewerbungen vom SWR befragt. Er dementierte dies mit den Worten:

Das ist an den Haaren herbei gezogen.

Ende des Updates.

Stand heute ist Stefan Kuntz noch Vorstandsvorsitzender und natürlich habe ich keinerlei belastbare Belege. Somit sind das alles Spekulationen und entbehren natürlich jeglicher Grundlage. Aber warten wir mal ab, was die kommenden Tage und Wochen so zeigen werden. Warten wir mal ab, ob eventuell Journalisten – also solche die durchaus auch mal kritische Fragen stellen – Antworten erhalten und wie diese aussehen.

Aktuelles Fazit

Derzeit gibt es offensichtlich keine Ecke im Verein die nicht wackelt. Wo ist der Aufsichtsrat? Was wird dagegen unternommen, alle Bereich des 1. FCK zu schließen oder rauszuwerfen? Wenn die finanzielle Stabilität da wäre, die uns seitens des Aufsichtsgremiums und da insbesondere durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrats Herrn Rombach immer wieder bestätigt wird, dann wären doch die Maßnahmen zum Rauswurf der „Rolling Devils“ und zum Abmelden der U23 nicht erforderlich. Das alles lässt vermuten, dass es um den 1. FC Kaiserslautern viel schlimmer steht, als die Vereinsführung und deren Aufsichtsrat es verlautbaren.

Warum nicht dem hauptamtlichen Vorstand Kuntz und Grünewalt, einen ehrenamtlichen Vorstand in Sachen Justiz und Vertragswesen (Vorschlag Martin Sester) und Finanzen (Vorschlag Ohlinger) zur Seite stellen?

Auf der kommenden JHV sollte ernsthaft überlegt werden, den Aufsichtsrat einzeln zu entlasten und dabei im Vorfeld sehr kritische Fragen zu stellen. Sollte einem Aufsichstrat die Entlastung versagt werden, so kann ein Antrag auf Abwahl gestellt werden. Vielleicht verstehen die Herren dann ja mal, welche Verantwortung sie im Grunde genommen besitzen. Nämlich Schaden vom 1. FC Kaiserslautern abzuwenden und nicht nur einen Parkplatz und VIP-Bändchen zu tragen.

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