Gestern standen wir am Rande des Abgrundes – Heute sind wir einen entscheidenden Schritt weiter

In einer Woche ist es soweit. Jahreshauptversammlung des 1. FC Kaiserslautern. Im Zelt. Mit Wahlen zum Aufsichtsrat, Ehrenrat und Rechnungsprüfer. Und mit der Information weshalb der 1. FCK ausgliedern sollte. Wohl um Steuern zu sparen.

Beginnen wir aber doch mal mit der Veranstaltung selbst. Warum fällt mir bei der ganzen Inszenierung im Vorfeld ausgerechnet Steve Ballmer ein?

Vermutlich erwarte ich eine so oder so ähnlich anmutende Show am kommenden Sonntag. Den mit der FCK Fahne durch die Reihen tanzenden Teufels-Tubby haben sicher noch einige Mitglieder im Kopf. Welche Inszenierung wird es also werden? Ich bin gespannt.

Schon heute dröhnt bei jeder Nachricht die vom 1. FC Kaiserslautern e.V. verbreitet wird das Schlüsselwort „Kontinuität“ in mannigfacher Ausprägung aus den Berichten. Kontinuität im Aufsichtsrat, Kontinuität beim Ehrenrat, Kontinuität bei den Rechnungsprüfern. Nur das sichert die Kontinuität bei der weiteren Gestaltung des Zukunftsprojekts 1. FCK.

Heute die Schlagzeile im offiziellen Sprachorgan de Vereinsführung „Rheinpfalz“: Der FCK steht wieder gut da
Natürlich hinterfragt keiner, was damit gemeint sein könnte. Denn sportlich stehen wir aktuell, nun ja, als Zweitligist auf Tabellenplatz vier. Ganze sechs Punkte hinter Ingolstadt und noch vor dem Spiel gegen den Tabellennachbarn aus Darmstadt.

Finanziell kann es eigentlich auch nicht gemeint sein. Denn der aktuell noch agierende Aufsichtsrat hat in den vergangenen drei oder sogar sechs Jahren so manche Ausgaben offenbar genehmigt, die nicht wirklich zum Vorteil des Vereins waren.

Aber schauen wir uns einzelne Punkt der finanziellen Entwicklung, die ja laut allen Gremien (Vorstand, Aufsichtsrat und (!) Ehrenrat) ja seriös und hervorragend ist, genauer an.

Vereinsvermögen

In Unternehmen zählt das Eigenkapital zu einem wesentlichen Faktor für die Gesundheit einer Firma. Bei Vereinen entspricht dies, im wesentlichen, dem Vereinsvermögen.
Da ja gerne die Vergangenheit verklärt wird und wir 2008 am Rande des Abgrunds standen, sollte hier der Wert des Vereinsvermögens zur Sicherheit noch einmal genannt werden. Der Verein schloss die Saison 2007/2008 mit einem Verlust von 2,5 Mio Euro und dem dadurch verbleibenden Vereinsvermögen von 751.000 Euro ab.
Damals eine Katastrophe, wenn man den Diskussionen und Aussagen bei „Der Betze brennt“ glauben darf. Kann hier gerne nachgelesen werden.

Nun, seit damals ist, mit einer Ausnahme (2011/2012) das Vereinsvermögen nie mehr existent gewesen. Im Jahr 2008/2009 wurde erstmals eine Steuerrückstellung für Betriebsprüfungen der Jahre 2000-2003 eingestellt und diese auch noch einmal im darauffolgenden Jahr erhöht. Dennoch bleiben die steigenden Kosten auffällig und man kann keineswegs von einer seriösen und nachhaltigen Finanzplanung sprechend. Hier widersprechen die Zahlen den Aussagen des Aufsichtsrats, der uns ja eigentlich quartalsweise über die wirtschaftliche Entwicklung informieren sollte (Satzung Art. 13 Abs. 6).
Hier zur Verdeutlichung das entsprechende Diagramm:

Vereinsvermögen 2008-2014
Vereinsvermögen 2008-2014

Natürlich spiegelt das Vereinsvermögen alleine kein eindeutiges Indiz für die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung wider. Es kann als Indikator herangezogen werden. Genau das passiert seit letzter Saison ja auch bei der DFL. Dort wird Vereinen / Kapitalgesellschaften mit negativem Vereinsvermögen/Eigenkapital die Finanzauflage in die Lizenz geschrieben, diesen Wert um 5% (Zweitligist) bzw. 10% (Erstligist) zu verringern. Diesen Wert haben wir in dieser Saison gerade so erreicht. Über das „Wie“ sollte auch noch einmal gesprochen werden.

Umsatzerlöse vs. Aufwand

Werfen wir einen Blick auf den Umsatz, den der 1. FC Kaiserslautern in den vergangenen sechs Jahren erzielt hat. Dabei fallen genau die zwei Saisons auf, in denen wir in der ersten Liga spielten.
Dem gegenüber stehen die Aufwände, die in den jeweiligen Saisons getätigt wurden. Zumindest diese beide Zahlen saldiert ergeben einen Gewinn oder Verlust – sehr rudimentär ausgedrückt und ohne wirklich alle Details der Gewinn- und Verlustrechnung zu berücksichtigen.
Auch diesen Plan muss der Aufsichtsrat kontinuierlich im Auge behalten. Aber scheinbar hat da immer mal wieder jemand ein wenig Sand in die Augen der Räte gestreut. Oder war es gar der „Sandmann“ und man hat ein wenig „geschlummert“?

Erlöse vs. Aufwand Saison 2008-2014
Erlöse vs. Aufwand Saison 2008-2014

Kann man bei den grundsätzlichen Zahlen des Vereinsvermögens noch davon ausgehen, dass bilanzielle Rückstellungen, insbesondere für die Nachzahlungen von Betriebsprüfungen das Vereinsvermögen beeinflusst haben können, so sind bei dieser Gegenüberstellung schon andere Faktoren erkennbar. Offenbar lebt  der 1. FCK ziemlich auf „Kante genäht“. Was soviel bedeutet, dass neben den ganzen Stundungen und Besserungsscheinen meist versucht wird, genau so viel Geld auszugeben, wie eingenommen wird. Manchmal etwas drüber (Aufstieg bzw. Abstieg) aber sonst eher wenig nachhaltig. Mir fällt bei diesen Zahlen immer auf, dass es offenbar keinen interessiert, dass das Vereinsvermögen wieder positiv wird und wir damit in die Lage versetzt werden, auch wieder Vermögen aufzubauen. Der Ritt auf der Rasierklinge nach dem Abstieg 2012, um den Wiederaufstieg so bald als möglich umzusetzen macht sich nun in den Zahlen bemerkbar. Wo soll denn das Eigenkapital zur Rückzahlung der Anleihe herkommen, wenn wir niemals Rücklagen aufbauen?

Personalkosten

Personalaufwand Lizenzkader 2008-2014
Personalaufwand Lizenzkader 2008-2014

Auch hier ist eine interessante Entwicklung zu beobachten. Nach einem kurzen Einbruch der Personalkosten nach Antritt von Stefan Kuntz mit seiner Bereinigung der Geschäftsstelle, scheinen dort langsam und allmählich wieder die „alten“ Zustände zu herrschen.
Ebenso sind die Ausgaben für den Lizenzkader nicht ganz dementsprechend, wie es uns der Vorstandsvorsitzende immer wieder weis machen will. Der Aufsichtsrat scheint sich hier aber nicht um die Zahlen zu kümmern.

Personalkosten sonstige Abt. und Verwaltung 2008-2014
Personalkosten sonstige Abt. und Verwaltung 2008-2014

Hierin nicht enthalten sind die Kosten, die für externe Berater entstehen. Leider sind diese Werte in der Bilanz bzw. in den Anlagen nicht enthalten. Angefangen von den Kosten für Wirtschaftsprüfer über Steuerberater und Rechtsberater bis hin zu Berater mit besonderem Aufgabengebiet (Ausgliederung / Schwenken). All diese Kosten sind nicht in den Personalkosten enthalten. Und ebenso wenig die Kosten für den Vorstand. Denn irgendwo in den Tiefen der Bilanz werden diese Kosten Jahr für Jahr versteckt unter Bezug auf §286 HGB. Transparenz sieht anders aus.

Fazit zur Finanzlage

Bei dieser Betrachtung der Grundzahlenwerke des 1. FC Kaiserslautern, die im übrigen keinerlei Geheimnisse beinhaltet, werden sie doch jährlich, mehr oder weniger detailliert, auf der JHV oder auf Pressegesprächen veröffentlicht, zeigt sich, dass der Aufsichtsrat über viele Details hinwegsieht. Was auch immer das erklärte Ziel des Vorstands ist, es sollte das Ziel des Aufsichtsrats sein, auf eine Gesundung des 1. FC Kaiserslautern e.V. hinzuwirken. Eine Gesundung kann aber nur bei einem vorhandenen Vereinsvermögen von Statten gehen und nicht durch Löcherstopfen à la FCK 2014. Wenn die Betze-Anleihe als Liquiditätspuffer verwendet wird, leben wir schon nicht mehr von der Hand in den Mund. Wir verspeisen schon den Oberarm und hoffen, dass der irgendwie wieder nachwächst. An eine Rückzahlung der Anleihe möchte ich in diesem Szenario nicht denken.
Aber vom Aufsichtsrat sind immer wieder die Töne zu hören, die ihnen unser Finanzvorstand vorsäuselt: „Cash-Management“, „seriös gewirtschaftet“, „finanziell gesundet“, „Meilenstein in der wirtschaftlichen Entwicklung“ etc.
Jeder der sich mit den Zahlen der Bilanz, der G+V und des Berichts der Wirtschaftsprüfer beschäftigt und sich diese Zahlen über einige Jahre notiert wird feststellen, dass wir mehr und mehr in die Problemzone rutschen.

Weiter so Aufsichtsrat?

NEIN!
So kann und darf es nicht weiter gehen. Dieser Aufsichtsrat hat in den vergangenen sechs Jahre sich einen Punkt auf die Backe malen lassen und säuselt nur noch nach, was ihnen ein Vorstand erzählt. Ohne Überprüfung. Ohne Hinterfragen. Ohne Nachhaltigkeit.

Wenn dieser Aufsichtsrat in dieser Besetzung drei Jahre so weiter machen kann, wird die Rückzahlung der Betze-Anleihe 2019 sicher scheitern. Die einzige Rettung wäre ein Aufstieg in die erste Liga mit einem Verbleib von 3-5 Jahren. Dann wären die Finanzen vermutlich wieder soweit saniert, dass ein positives Vereinsvermögen bestünde obwohl die Herren Vorstände sich kräftig an den sprudelnden Geldquellen bedient hätten.
Aber der Aufsichtsrat hat ja, in vorauseilenden Gehorsam den Vertrag mit Herrn Kuntz ohne Not verlängert. Was tut man nicht alles für die Wahlwerbung, die jetzt über uns hereinbricht.

Auch hier wieder ein kurzes Video von Steve Ballmer. Auch wenn er „Developer“ ruft, mir geistert da jemand anderes durch den Kopf und der schreit „Aufsichtsrat, Ehrenrat, Aufsichtsrat, Ehrenrat …“

Wir dürfen gespannt sein, was uns in dieser Woche noch alles um die Ohren gehauen wird.

Als alter Asterix Leser rufe ich Euch zu:  „Ludi incipiant“